Berlin : "Schluss mit der Benachteiligung der Landwirtschaft"

Suzan Gülfirat

Bis zum Potsdamer Platz waren die Megafone zu hören. Im Tiergarten sahen die Passanten dann, worum es ging: Männer und Frauen mit grünen Kappen, auf denen die Namen verschiedener Bundesländer standen, saßen auf den Parkbänken. Bauern aus ganz Deutschland haben sich gestern in Berlin versammelt. "Schluß mit der Benachteiligung der Landwirtschaft", schimpfte vor dem Brandenburger Tor Gert Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), kämpferisch ins Megafon. Doch die etwa 10 000 Demonstranten standen eher gemächlich mit ihren Transparenten um die zehn Traktoren herum, die symbolisch auf dem Platz aufgestellt waren.

Mit Sattelschleppern seien sie nach Berlin gebracht worden, erzählte der 65-jährige Johann Luckenbein aus Regensburg. 30 Hektar Land habe er dort. Solange er gesund sei wolle er arbeiten, sagte er und löffelte Kartoffelsuppe aus einer Plastikschüssel. Schon um fünf Uhr morgens waren die Demonstranten aus Bayern, dessen Bauernverband zu den mitgliederstärksten zählt, mit Bussen zu Hause losgefahren. Ihre An- und Abreise zur Straße des 17. Juni, wo sie genehmigt parken durften, verursachte schließlich laut Polizei den alltäglichen Innenstadtstau.

Sonnleitner ließen die Herren und die wenigen Damen in Ruhe ausreden, doch als der Parlamentarische Staatssekräter Gerald Thalheim anstelle des Landwirtschaft-Ministers Karl-Heinz Funke auf die Redebühne trat, tat sich was auf dem Platz. Ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert und Gegenstände, die Krach machten, ließen seine Worte ungehört verhallen. Was er sagte, konnte kaum jemand verstehen.

Neben der Kartoffelsuppe gab es auch Erbseneintopf, die von einer Service-Firma aus Berlin in weißen Zelten serviert wurde. Überhaupt war der "Aktionstag", so ein Ordner, perfekt organisiert. Am Ende spielte eine bayerische Blaskapelle die deutsche Nationalhymne. Die Ankündigung eines Kreisvorsitzenden aus Niedersachsen klang jedoch beinahe wie eine Drohung: "Wenn wir wollen, können wir eine Großdemo mit 50 000 Bauern aus dem Boden stampfen." Für Dezember sei so eine Kundgebung geplant, kündigte er schon einmal an. Nach der Veranstaltung, auf dem Rückweg durch den Tiergarten, war kein Megafon mehr zu hören. Dafür ein Hupkonzert - wer weiß, wofür und wogegen - etwas weiter weg.

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