Schluss mit lustig : Neukölln verbietet sechs große Straßenfeste

Zu niveaulos, zu laut, zu billig, zu feuchtfröhlich: Neuköllns Bürgermeister Buschkowsky hat sechs große Bezirksfeste abgesagt, weil es viele Beschwerden gab. Auch in anderen Bezirken wird über Straßenfeten geschimpft. Wie ist Ihre Meinung?

Rainer W. During
Heinz Buschkowsky
Verärgert über Veranstalter. Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hat mehrere große Straßenfeste abgesagt. -Foto: Mike Wolff

Große Volksvergnügen sollen künftig von Neuköllns Straßen verschwinden. Das Bezirksamt hat jetzt mehrere Straßenfeste verboten. Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) begründet die Entscheidung mit der gesunkenen Qualität der Veranstaltungen und der mangelnden Beteiligung örtlicher Gewerbetreibender. Außerdem hätten sich Anwohner über Alkoholexzesse und Lärm beschwert. Andere Bezirke halten zwar nichts von Verboten, setzen aber ebenfalls vermehrt auf kleinere Kiezfeste.

Betroffen sind in Neukölln die bis zu sechs jährlichen Veranstaltungen in der Sonnenallee, der Karl-Marx- und der Hermannstraße. Sie seien längst keine Werbeveranstaltung für ansässige Geschäftsleute mehr, sagt Buschkowsky. Die ortsansässigen Arbeitsgemeinschaften seien „nur noch Türschilder, hinter denen sich ein einziger, professioneller Veranstalter verbirgt“. Der Bürgermeister beklagt die zunehmenden „Begleiterscheinungen mit Menschen, die zu tief ins Glas geschaut haben“, und Verkehrsprobleme wegen der Straßensperrungen. Mit dem Verbot habe das Bezirksamt auch „dem Druck der Bevölkerung nachgegeben“.

Stephan Manasse, dessen Verein „Aktion Hermannstraße“ seit über drei Jahrzehnten den Rixdorfer Blumenkorso im Mai und seit acht Jahren ein Oktoberfest veranstaltete, weist die Vorwürfe zurück. Die Anliegerbeteiligung sei gestiegen, die Zahl der Bierstände drastisch reduziert worden. „Scampi und Champagner kann man in der Hermannstraße nicht anbieten“, sagt Monika Nareyka, eine der größten Veranstalterinnen von Straßenfesten. Ohne die Anlieger könne man keine Veranstaltung organisieren. „Statt Verbote auszusprechen sollte sich der Bezirk mit den Beteiligten an einen Tisch setzen.“ Dazu, so Stephan Manasse, sei Buschkowsky bisher nicht bereit gewesen.

In anderen Bezirken teilt man die Haltung Neuköllns nicht unbedingt. „Wir sehen zur Zeit keinen Handlungsbedarf“, sagt der Bürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD). Die Palette der Veranstaltungen reicht hier von den Fanmeilen bis zum Turmstraßenfest, an dem sich auch örtliche Händler beteiligen. Viele der Feste seien allerdings „austauschbar“, findet Hanke. Mehr Individualität sei aber „auch eine Frage der Kaufkraft“.

„Ich bin ein Befürworter solcher Feste“, betont Spandaus Bürgermeister Konrad Birkholz (CDU). Vor allem, weil sie der Lebensfreude der Bevölkerung dienten, aber auch, weil viele lokale Markthändler und Schausteller beteiligt seien, deren Existenzen es zu fördern gelte. Das Motto laute „lieber klein, aber fein“. Kleinere Kiezfeste bevorzugt auch Reinickendorfs Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU). Große Straßenfeste nach dem Konzept „Saufen, Fressen, 99-Cent-Artikel“ seien nicht mehr zeitgemäß. Den Umbau der Greenwichpromenade will man in diesem Jahr nutzen, um auch dem Tegeler Sommerfest ein neues Gesicht zu geben.

In Friedrichshain-Kreuzberg dominieren die Kiezveranstaltungen mit viel Bürgerengagement. „Wir sind froh, dass wir diese vielen Feste haben“, sagt Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). Kommerzielle Straßenfeste gibt es bis auf das Bierfestival in der Karl-Marx-Allee kaum. Ein Versuch am Kottbusser Damm ist mangels Nachfrage gescheitert.

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