Berlin : Schmerz mit Sinn

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat über die Wehen

in den Zeiten knapper Kassen

Vorm Bohren gibt der Dentist eine Spritze, und schon tut’s nicht mehr weh. Vorm Operieren verabreicht der Anästhesist eine Anästhesie, und alles ist halb so schlimm.

Allein die Sache mit den Geburtswehen hat der Mensch noch nicht im Griff. Hören Sie sich mal so eine Gebärende mit Wehe an. Das klingt nicht schön. Und dann zieht sich das hin! Stunden! Furchtbar.

Nun sollte man meinen: Der Fortschritt wird uns Mittel schenken, die die Wehe überflüssig machen. Doch nun dies: Nie war die Wehe, zumal die lang vorm Schlüpfvorgang einsetzende, so wichtig wie ab 1.1. 2004. Denn die Wehe tut ja nicht nur weh, sie sagt auch: Geh ins Krankenhaus, mach hin!

In Berlin gibt es für alle, die die Signale überhören (oder besser: überfühlen), den Storchenwagen. Das Feuerwehrauto mit Hebamme drin leistet all jenen Schwangeren gute Dienste, die meinen: Ach, das bisschen Ziehen, ich kann jetzt nicht. Irgendwann, ganz plötzlich, müssen sie können, dann kommt ganz schnell der Storchenwagen, und alles wird gut. Da den die Kasse aber nicht zahlt, wird er ab 1. Januar weggespart.

Aller Fortschritt – egal: Die Wehen werden weiter wehtun, sie müssen, sonst kann man das Taxi nicht rechtzeitig rufen (Seite 15).

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