Schmerzensgeld : Erste Klagen wegen falscher Kniegelenke

Patienten, denen im St.-Hedwig-Krankenhaus die falschen Kniegelenke eingesetzt wurden, fordern 14.000 Euro Schadenersatz.

Der falsche Einbau von künstlichen Kniegelenken bei 47 Patienten könnte für das St.-Hedwig-Krankenhaus teuer werden. Zu den rund 6500 Euro teuren Reparatureingriffen, die sich die Klinik bereit erklärt hat zu übernehmen, kommen nun auch noch Schadenersatzforderungen von Patienten auf das Haus in Mitte zu.

„Die falsche Übersetzung der Aufschrift der Verpackung und der fehlerhafte Einbau stellen Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht seitens der Klinik dar“, sagt Ruth Schultze-Zeu, Anwältin für Medizinrecht. Sie vertritt zwei der 47 betroffenen Patienten. Für beide Mandanten werde sie vom Krankenhaus Schmerzensgeld und Schadenersatz in Höhe von jeweils insgesamt 14 000 Euro einfordern, kündigte die Anwältin gestern an. Das St.-Hedwig-Krankenhaus hatte bereits erklärt, sich mit den Patienten außergerichtlich zu einigen und Regulierungszahlungen zuzustimmen.

Im Falle einer Mandantin seien von der Haftpflichtversicherung des Krankenhauses bereits 3000 Euro unaufgefordert als Vorschuss überwiesen worden, sagte Schultze-Zeu. Gegen den Hersteller der Implantate, der die Verpackungen erst Monate nach der ersten Auslieferung mit deutschsprachigen Aufklebern ausstattete, wolle sie im Auftrag ihre Mandanten jedoch nicht klagen.

Im St.-Hedwig-Krankenhaus hält man sich diesen Schritt noch vor. Außer den zwei genannten Fällen seien bislang jedoch keine weiteren Patienten mit Forderungen an das Krankenhaus herangetreten, erklärte eine Sprecherin gestern.

Bei den Kniegelenkspatienten anderer Berliner Kliniken herrscht derzeit Verunsicherung. „Bei mir haben sich bereits fünf Menschen gemeldet, die über Schmerzen nach einer Knieoperation klagen“, sagte die Patientenbeauftragte des Landes Katrin Stötzner. „Diese seien verunsichert, weil sie oftmals nicht wissen, welches Modell bei ihnen eingebaut wurde, und ob es auch in ihrer Klinik möglicherweise zu Verwechslungen gekommen sei.“ Momentan wisse man nicht einmal, in welchem Krankenhaus die fragliche Prothese noch zum Einsatz kam, kritisierte Stötzner. Der Hersteller der Prothese, Smith & Nephew, wollte gestern keine Stellungnahme zu dem Fall abgeben, kündigte jedoch für den heutigen Dienstag eine Erklärung an. mho

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