Berlin : Schmierereien: Zürich setzt auf die schnelle Einsatztruppe

rcf

Graffiti-Künstler in Zürich haben seit zwei Jahren nicht mehr ganz so viel Spaß. Damals holte die Stadt, die jährlich durch Graffitis einen Schaden von rund einer Million Franken erleidet, zu einer groß angelegten Aktion gegen die Sprayer aus. Nach dem Prinzip: Werden die Werke so schnell wie möglich beseitigt, dann vergeht den "Sachbeschädigern" das Interesse. Vor allem in touristisch attraktiven Gegenden übernehmen zusätzlich eingestellte Arbeitskräfte die Reinigung. Teil der Strategie ist aber auch eine vom Hochbaudepartment betreute Hotline, wo Privatiers Meldungen über Graffitis machen können. Innerhalb von 24 Stunden bekommt der Geplagte eine spezielle Schutzfarbe für die Prophylaxe geliefert.

Zum Thema Ted: Sprayer verpfeifen - soll das belohnt werden?
Meinungen: Pro & Contra Auch Paris hat im vergangenen Jahr eine Großaktion gegen Graffiti gestartet, immerhin ver(un)zieren diese etwa 40 Prozent der Häuserfassaden. Rund 160 Millionen Mark (480 Millionen Franc) gibt die Stadtverwaltung dafür aus, dass drei Firmen innerhalb Jahresfrist alle Fassaden reinigten. Neue "Kunst-Werke" sollen laut einem Plan für die kommenden fünf Jahre innerhalb von 12 Tagen beseitigt werden. 16 Motorradfahrer kurven ständig durch die Stadt auf der Suche nach Graffitis.

Auf die heilsame Wirkung von "Strafarbeit" setzt hingegen die Münchener Stadtverwaltung, die ihren Schaden durch Graffiti im Jahr 1999 auf rund 1,5 Millionen Mark bezifferte. Deshalb arbeitete im vergangenen Jahr die Arbeitsgruppe Graffiti zusammen mit der Staatsanwaltschaft an einem Programm, bei dem die Täter den von ihnen angerichteten Schaden so schnell wieder möglich selber wieder beseitigen. Allerdings werden nur etwas mehr als 50 Prozent der Täter geschnappt.

Liberaler geht Ingolstadt das Graffiti-Problem an. Man vertraut darauf, dass umso anziehender ist, was verboten wird. Und stellte deshalb schon 1995 den Sprayern die Betonflächen an den Bahnunterführungen zur freien Verfügung. Dadurch sparte die Stadt gleichzeitig eine teure Bepflanzung der Wände.

Die Idee, den Kampf gegen die farbigen Malereien wenigstens teilweise zu privatisieren, hatte schon 1997 die Stadt Bremen. Damit schaffte sie sich teuren Verwaltungsaufwand vom Hals. Partner der Stadt war dabei die Deutsche Stadtreklame (DSR), eine Tochtergesellschaft von 27 deutschen Großstädten, die ansonsten Werbeflächen vermietet. Die DSR verpflichtete sich, für die Reinigung Spezialfirmen zu beauftragen. Die Stadt zahlte in "Naturalien" und überließ der DSR zwölf großformatige Werbeflächen an Ausfallstraßen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben