Berlin : Schmuck wie Oscar

Hollywood-Juwelier stattet Berlinale-Stars aus Accessoires funkeln auch bei Preisverleihung in L. A.

Heidemarie Mazuhn

Mit Schmuck für 600 000 Euro hat sich Schauspielerin Cate Blanchett in L. A. für ihre hiesigen Berlinale-Auftritte bevorratet. Die Mühe, die – geliehenen – Accessoires sicher übern großen Teich nach Berlin zu bringen, hätte sich der Star aus „The Good German“ sparen können.

In einer Suite in der zweiten Etage des Hyatt steht ein mit Juwelen für 6,5 Millionen Euro gefüllter Safe, aus dem sich die Berlinale-Stars bedienen können. Den dazu extra aufgestellten, extra großen, extra schweren und extra bewachten Safe bestückte H. Stern, alljährlich der Schmuckausstatter der Hollywood- Garde in der Oscar-Nacht und nun erstmals während der Berlinale vertreten.

Das bedeutet eine Premiere der besonderen Art: Wird doch dadurch Sterns alljährlich eigens für den Oscar entworfene sogenannte Red-Carpet-Collection diesmal in Berlin zuerst über den roten Teppich getragen. An Hals, Ohren, Finger oder Arm von Martina Gedeck, Marie Bäumer, Barbara Rudnik, Jasmin Tabatabei, Bai Ling und Nadja Uhl, die zu den Schauspielerinnen gehören, die sich zur Berlinale bisher damit bei H. Stern ausstatteten. Soll heißen, bei Kate Merkle, die im Hyatt als Deutschlandchefin eines der weltweit größten Juweliere dafür sorgt, dass der passende Schmuck auch an die rechte Trägerin kommt.

Etwa, dass Hannah Herzsprung zu Cinema for Peace nicht mit einem ihrer Jugend unangemessenen Collier über den roten Teppich lief, sondern mit Ohrringen und einem Armband aus der Red-Carpet-Collection, das gestern schon wieder direkt nach L. A. zurückging. Ganz zarte Blumenbänder in Diamanten gefasst, schwärmte Merkle von dem „fast ätherischen Schmuck“ für den jungen Shootingstar aus „Vier Minuten“.

Eigentlich ist Merkle auch Schauspielerin – richtig von der Pike auf hat die gebürtige Flämin das einst an der Akademie für schöne Künste in Gent studiert. Die Berliner Gesellschaft lernte sie 1996 aber nicht auf der Bühne kennen, sondern als Geschäftsführerin der deutschen Zentrale des Schweizer Traditionsjuweliers Bucherer. Die Events, die sich Merkle für die Bucherer-Präsentationen ausdachte, waren teilweise spektakulär, ausgefallen immer. Dem Schmuck als Lebensart war sie als junge Frau verfallen, als sie der Zufall aus Belgien nach Pforzheim verschlug. Und dem Schmuck ist die aparte Frau auch treu geblieben, als sie sich 2003 von Bucherer verabschiedete. Nicht von Berlin – die Wohnung mit dem weiten Blick aus einem Charlottenburger Dachgeschoss ist noch immer Kate Merkles Ruhepunkt. Ihr Headquarter als Deutschlandchefin von H. Stern aber hat sie in Frankfurt am Main. Von ihrem Chef kann sie spannend erzählen. Wie der jüdische Emigrant H. Stern aus Essen 1939 in Brasilien ein neues Leben begann – zuerst als Buchhalter, dann mit edlen Steinen. Mit 200 Dollar, für die er seine Hohner-Zieharmonika verkaufte, gründete er 23-jährig ein Schmuckgeschäft – heute sind es weltweit 260.

In Hollywood schätzt man die Qualität seines Schmucks. H. Stern, so Kate Merkle, lässt sich von seinen jeweiligen potenziellen Schmuckborgerinnen inspirieren. So wurde für Helen Mirren – als „The Queen“ auf Oscar-Kurs – ein majestätisches Set aus großen Aquamarinen entworfen – deren königliches Blau passt gut zu Mirrens heller Haut. Die feurige Penélope Cruz schickt H. Stern dagegen mit 300-karätigen Smaragden auf den roten Teppich, während für Beyoncés Oscar-Auftritt cognac- und champagnerfarbene Diamanten bereitliegen.

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