Berlin : Schmuckstück in Scherben

Die Bernburger Treppe sollte ein bildschöner Fußgängerweg zum Potsdamer Platz sein, doch Vandalen zerstören sie systematisch

Christian van Lessen

Sie ist nur wenige Schritte vom kommenden, großen Berlinale-Geschehen am Potsdamer Platz entfernt. Die Prominenz allerdings sollte diese Treppe meiden. Sie könnte sich wundern, dass eine Fußgängerverbindung mitten in der City so verwahrlost wirkt. Das geplante Schmuckstück glänzt nicht mehr. An der Bernburger Treppe lassen immer wieder Schläger ihre Zerstörungswut aus. Sie haben die gesamte Beleuchtung zerschlagen.

Die Treppe, die gerade dort steht, wo die U-Bahnlinie 2 in der Erde verschwindet, könnte eine schöne, vorzeigbare Verbindung zwischen den schrägen Flächen des Tilla-Durieux-Parks am Potsdamer Platz und dem Kreuzberger Hinterland sein. Sie könnte abends und nachts schön leuchten, könnte ein beliebter Aussichtspunkt sein, ein Treffpunkt, wie sich die Erbauer das einmal vorgestellt hatten. Nun sind die viermal 23 Stufen ramponiert. Und die Anwohner haben sich dran gewöhnt, dass es hier bei Dunkelheit kaum noch Licht gibt, dass überall Scherben herumliegen, dass die Wände beschmiert sind.

Mittes Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Dubrau bezifferte gerade erst den jüngsten Schaden auf rund 10 000 Euro: Nicht nur Leuchten, auch Baumsicherungen wurden zerstört. Seit die für zwei Millionen Euro gebaute Brücke vor einem Jahr fertiggestellt wurde, sind ihre Lichter schon zum vierten Mal zerschlagen worden. Die Stadträtin ist „empört über den Umgang mit Allgemeingut, das nun mit Steuermitteln, die woanders sinnvoller eingesetzt worden wären, repariert werden muss“. Sie hat öffentlich um Mithilfe bei der Ermittlung der Täter aufgerufen. Sie werden vor allem rund um die Köthener und Bernburger Straße vermutet. Sicher ist, dass die Vandalen im Schutz der Dunkelheit kommen und drauflos hauen.

„Ich weiß auch nicht, wie die das unbemerkt machen“, sagt Heinz Biedermann vom Bauamt Mitte. Nun sollen die Lämpchen durch spezielles, hartes Kunstglas geschützt werden, ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Gäbe es hier, an der Köthener Straße, statt einer öden und vermüllten Freifläche das schon seit Jahren angekündigte Geschäftshaus mit einem Hotel und Wohnungen, wäre die Treppe zwischen zwei Gebäuden eingekeilt und unter stärkerer Beobachtung – und vielleicht auch mehr einbezogen in das Treiben rund um den Potsdamer Platz.

Der Bau der Projektgesellschaft Mendelssohn-Bartholdy-Park, hinter der die Gesellschaft für Städtebau steckt, soll nun Ende des Jahres beginnen und in zwei Jahren fertiggestellt sein. Mit dem Hotelbetreiber wird noch über Änderungen verhandelt. Der geplante Neubau soll von der „Bernburger Treppe“ bis zum Reichpietschufer reichen.

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