Berlin : Schmuckstücke

Ulrich Zawatka-Gerlach

freut sich über tolle Berliner Staatsbetriebe Wenn es die Zeit erlaubt, liest unser Finanzsenator Thilo Sarrazin gern einen Thriller. Zum Beispiel von Tom Clancy: „Im Auge des Tigers“ oder „Gnadenlos“. Aber noch lieber lässt er Bücher schreiben. Zum Beispiel den „Beteiligungsbericht 2005“, der gestern erschien, leider erst nach dem Ende der Frankfurter Buchmesse. Ein Zweiteiler, schlappe tausend Seiten stark und fast so spannend wie drei Krimis, wenn man Sarrazin glauben darf.

Es ist wohl eher eine Bibel für fromme Sparmissionare, aber schon nach den ersten Kapiteln lassen wir alle dunklen Vorurteile fahren: Öffentliche Betriebe sind kein teurer Schrott. Gut gepflegt können sie geradezu Schmuckstücke der staatlichen Vor- und Fürsorge werden. Unternehmen, die Gewinne erwirtschaften. Gewinne! Noch fünf Jahre Sarrazin und man möchte keines der kostbaren Güter mehr aus der Hand geben. Vielleicht sollte der Senat Samsung dazu kaufen und Flachbildschirme bauen, damit die Wähler nicht mehr in die Röhre gucken.

Bis es soweit ist, wünschen wir dem strammen Sanierer Sarrazin weitere schöne Sanierungserfolge. Solange es noch die BVG, Vivantes und einige Wohnungsunternehmen gibt, die bei der Lektüre der Bilanzen regelmäßig zur Gänsehaut verhelfen. Ohne Krimi. Gnadenlos.

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