Berlin : Schmuddelkinder

Stephan Wiehler

fordert erzieherische Maßnahmen für unsaubere Städter Berlin ist ein schmutziger Flecken. Mit den ersten Strahlen der Frühlingssonne kommt alle Jahre wieder der liederliche Charakter dieser Stadt ans Licht, in den Parks müssen sich Spaziergänger den Weg durch Unrat bahnen, und Stadtreinigung und Grünflächenämter sind wochenlang damit beschäftigt, die Müllkippen abzutragen.

Eltern haben es schwer, in solcher Umgebung Tugenden wie Ordnung und Sauberkeit zu vermitteln; auch meiner Tochter ist nicht beizubringen, ihr Bonbonpapier nicht auf die Straße zu werfen. An einen BSR-Papierkorb reicht sie mit zweieinhalb Jahren ohnehin nicht heran.

Vielleicht ist der Berliner einfach ein Schmuddelkind, historisch noch nicht ganz stubenrein. Das mag an seiner verzögerten Entwicklung zum Weltstädter liegen. Als im 19. Jahrhundert in Wien, Paris oder London die feinen Leute über geleckte Prachtboulevards stolzierten, trieben sie hier noch im knietiefen Schlamm die Schweine Unter den Linden entlang.

Zum Glück ist Besserung in Sicht. In Kreuzberg rücken jetzt katholische Pfadfinder zum Frühjahrsputz in den Viktoriapark aus. Eine gute Tat, an der sich Kinder und Jugendliche ein Beispiel nehmen könnten. Motto-Vorschlag: Heraus zum 1. Mai – und immer sauber bleiben!

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