Berlin : Schmutziger Dienstweg

Klaus Wowereits extralanger 407-PS-BMW lässt die Umweltbilanz des Senats mies aussehen Laut Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe fährt aber Katrin Lompscher vorbildlich

Henrik Mortsiefer
Aufs Lenkrad geschaut. Nicht nur die Deutsche Umwelthilfe interessiert sich für die Frage, welchen Komfort sich Politiker im Dienstwagen leisten. Foto: ddp
Aufs Lenkrad geschaut. Nicht nur die Deutsche Umwelthilfe interessiert sich für die Frage, welchen Komfort sich Politiker im...Foto: ddp

Es ist ein langer Weg bis zur abgasfreien, elektromobilen Stadt – und Klaus Wowereit (SPD) hat es eilig. Sein Dienst-BMW schafft 250 Stundenkilometer Spitze. Unter der Haube des extralangen BMW 750 Li stößt ein 407-PS-Motor 266 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das entspricht einem Verbrauch von 16,4 Litern Superbenzin im Stadtverkehr. Man könnte sagen, der Dienstwagen des Regierenden Bürgermeisters ist eine Dreckschleuder.

„Übermotorisierung und hohe CO2- Emissionen der Dienstwagen gehören bei den meisten Ministerpräsidenten, Ministerinnen und Ministern weiter zu den Status-Insignien“, kommentierte am Montag die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ihre jährliche Auswertung der Dienstwagenflotten im Bund und in den Ländern. Klaus Wowereit sei in diesem Jahr besonders negativ aufgefallen, weil er 2010 noch in einem – wenn auch unwesentlich – kleineren BMW 740i dienstlich unterwegs gewesen sei. Ähnlich wie Horst Seehofer, CSU-Ministerpräsident in Bayern, der 2010 von einem Audi A8 (199 Gramm CO2) auf einen BMW 750i xDrive (278 Gramm) aufgerüstet hat.

Nun müssen die Dienstlimousinen von Spitzenpolitikern besonderen Sicherheitsstandards genügen (einen Kleinwagen kann man nicht panzern) und als rollende Arbeitszimmer ausgestattet sein. Aber: „Insbesondere bei vielen Ministerpräsidenten hört der Klimaschutz beim Dienstwagen auf“, kritisierte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch in Berlin. „Nach wie vor verstehen sich die meisten Spitzenpolitiker als kostenlose Werbeträger für spritschluckende Dienstlimousinen aus deutscher Produktion.“

Dabei könnte der Berliner Senat, der die Hauptstadt gerne zum nationalen Schaufenster für Elektromobilität machen würde, durchaus bundesweit Spitze sein – wenn Wowereit das Auto wechseln würde. Denn die Senatoren stehen mit einem Durchschnittswert von 152 Gramm CO2 im Dienstverkehr auf Platz zwei hinter der Landesregierung von Bremen (150 Gramm). Zu verdanken hat dies der rot-rote Senat Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke), die einen Toyota Prius Hybrid fährt, der nur 92 Gramm Kohlendioxid ausstößt. Das ist bundesweit Spitze. Zusammen mit ihren Amtskollegen im Saarland und in NRW hätten die „drei Landesumweltminister erkennbar verstanden, was sie ihrem Amt schuldig sind“, sagte Resch. Ihre Dienstwagen hielten sogar den ab 2012 geltenden Grenzwert von 120 Gramm ein.

Besonders mies fällt laut DUH die Klimabilanz von Schwarz-Gelb in Hessen aus. Der Dienstwagen von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sei mit 348 Gramm CO2 Schlusslicht unter den Länderchefs – und sein Innenminister Boris Rhein (CDU) mit 353 Gramm CO2 je Kilometer trauriger Gesamtsieger des „Klimakiller-Rankings“.

Auch viele Bundesminister haben die Energiewende noch nicht geschafft: Gesundheitsminister Philipp Rösler (VW Phaeton 3.0 V6 TDI 4Motion) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (Mercedes E350 CDI 4Matic BlueEfficiency) – beide FDP – fahren oberhalb der 200-Gramm-Grenze. Am saubersten ist der neue Dienstwagen von Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), sie fährt einen Audi A6 2.0 TDI multitronic. Der Dienstwagen von Angela Merkel fehlt in der Liste. Er bleibt aus Sicherheitsgründen ein Staatsgeheimnis.

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