Berlin : „Schnapper“ ist wieder in Haft

Ausgebrochener Serien-Vergewaltiger nach drei Wochen festgenommen Videothek-Angestellte erkannten den Mann. Polizei verschwieg Flucht tagelang

Tanja Buntrock,Werner Schmidt

Die Mitarbeiter der Videothek „Empire“ im Märkischen Viertel haben genau hingeschaut. Ihrem Hinweis ist es zu verdanken, dass der seit drei Wochen flüchtige Serien-Vergewaltiger Frank P. am Sonntagabend in Wittenau festgenommen werden konnte. Der 42-Jährige war am 3. Mai aus dem Maßregelvollzug der Karl-Bonhoeffer-Klinik in Reinickendorf geflohen. P. – bekannt unter dem Spitznamen „Der Schnapper“ – war 1989 zu 13 Jahren Haft und Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt worden (siehe Kasten).

„Uns hat das gestern gereicht. Die ganze Videothek war voller Polizisten. Wir sagen nichts weiter zu der Sache“, so eine Angestellte am Montag. Nach Tagesspiegel-Informationen soll P. bei der Videothek am Wilhelmsruher Damm einen Mitgliedsausweis auf seinen Namen besessen und dort schon häufiger Filme ausgeliehen haben. Am frühen Sonntagabend soll er gerade einen Action-Film zurückgebracht haben, als die Mitarbeiter auf ihn aufmerksam wurden. Die Polizei suchte sofort die Umgebung ab und nahm P. gegen 21 Uhr vor einem Wohnhaus im Dannenwalder Weg fest. Dort habe er einen gleichaltrigen Freund besucht. Bei ihm und bei einem anderen Bekannten soll er die letzten Tage verbracht haben.

Die Polizei war erst acht Tage nach seiner Flucht an die Öffentlichkeit gegangen. Die Begründung: Die Ermittler hofften, ihn bei Freunden festnehmen zu können. Nun ist er genau dort geschnappt worden. Allerdings habe er den Freund erst auf seiner Flucht kennen gelernt, sagte ein Ermittler. P. fuhr zudem einen am 13. Mai in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) gestohlenen VW. Ob er das Auto dort selbst gestohlen hat oder den Wagen erst hier in Berlin besorgt hat, ist derzeit noch unklar. Die Kripo verdächtigt P. außerdem, zwischen dem 8. und 10. Mai zweimal in Wohnungen in der Schlangenbader Straße (Wilmersdorf) eingebrochen zu sein. In einem Fall war er von einer im Haus installierten Videokamera aufgenommen worden. Die Kripo prüft derzeit, ob er weitere Straftaten während seiner Flucht begangen hat.

„Momentan befindet sich P. auf einer separaten Station in der Anstalt, wo er untersucht wird – unter anderem auch auf Drogenkonsum“, sagte die zuständige Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung, Roswitha Steinbrenner. „Seine Vollzugslockerungen sind jetzt natürlich erst einmal gestrichen.“ Seit September 1999 hatte P. Vollzugslockerungen erhalten. Seit März 2000 durfte er tagsüber das Klinikgelände verlassen, ab April 2000 montierte er außerhalb des Klinikgeländes in einer Firma Computerteile. Anfang 2004 wurde ihm dies jedoch wieder verboten, weil er am Neujahrstag mit einer Flasche Bier auf der Station erwischt worden war. Erst am 3. Mai sollte er einen „Übergangsjob“ in einer Gärtnerei, die zur Klinik gehört, antreten. An seiner neuen Arbeitsstelle kam P. aber nicht an, sondern nutzte die Gelegenheit zur Flucht. „Nun müssen Ärzte und Psychologen in Gesprächen erst einmal klären, was die Beweggründe für seine Flucht waren“, sagte Steinbrenner.

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