Schnee und Eis : Feuerwehr ruft Lawinenalarm aus

Die Retter sind im Dauereinsatz gegen vom Dach fallende Schneebretter und Eiszapfen. Eine Frau in Charlottenburg wurde auf diese Weise schwer verletzt.

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Schnee in Berlin
Ein handgeschriebenes Schild warnt in Berlin-Mitte vor Eis, das von Dächern rutschen kann. -Foto: dpa

Der auf den Dächern liegende Schnee wird immer häufiger zur Gefahr. Am Montag wurde ein Ehepaar in der Riehlstraße in Charlottenburg von einer Eislawine getroffen. Ein Notarzt der Feuerwehr versorgte das Paar gegen 11 Uhr, danach wurde die 56-jährige Frau mit einem Rettungswagen in eine Klinik gebracht.

Um 11.40 Uhr rief die Feuerwehr gestern den „Ausnahmezustand Wetter“ aus, der um 19 Uhr wieder aufgehoben wurde. Berlinweit erledigte die Feuerwehr bis zum Abend 309 Wettereinsätze – ein neuer Rekord. Fast immer musste die Feuerwehr wegen gefährlicher Eiszapfen oder wegen überhängender Schneemassen an den Dächern ausrücken. Ausnahmezustand bedeutet, dass nur wichtige Notfälle oder Brände sofort erledigt werden, Gefahrenstellen nur nach Priorität beseitigt werden.

Wo möglich, sperrte die Polizei den Bürgersteig ab. Fußgänger wurden aufgerufen, nicht direkt an Hauswänden entlangzulaufen und immer auch einen Blick nach oben zu richten. Überall in der Stadt bauten auch Hausverwaltungen oder Eigentümer provisorische Warnschilder oder Absperrungen auf Bürgersteigen auf, zum Beispiel am Willy-Brandt-Haus an der Stresemannstraße. Am Sonntagabend hatte es bereits in Schmargendorf eine Familie getroffen. „In der Breiten Straße krachte meinem Mann ein Block aus Schnee und Eis auf den Kopf.“ Bei diesem Unfall blieb es bei einer Platzwunde, sagte Silke Z.: „Zum Glück hat es nicht unsere kleine Tochter getroffen, die hinter uns auf ihrem Schlitten saß.“

Die gestiegenen Temperaturen seien die Ursache, dass jetzt besonders häufig Schneebretter auf Dächern ins Rutschen kommen oder Eiszapfen von Dachrinnen herabstürzen. Auch am Dienstag bleibt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Gefahr von Dachlawinen hoch.

Unterdessen geht der Ärger um nicht geräumte Gehwege weiter. In der Kritik stehen zunehmend Bezirke und das Land, weil vor deren Gebäuden vielfach nicht geräumt wird. Denn die öffentliche Hand erlebt derzeit das gleiche wie private Hausverwaltungen: völlig überlastete Räumdienste. „Viele Firmen haben sich völlig übernommen“, sagte gestern der fürs Ordnungsamt in Charlottenburg-Wilmersdorf zuständige Stadtrat Marc Schulte. Zu Beginn des Schneewinters hatte dies bereits Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky kritisiert. Schulte sagte gestern nun, dass notfalls auch bezirkseigene Arbeiter eingesetzt würden, wenn die Firmen weiterhin versagten. „Wenn wir selbst nicht vor Schulen und Kitas räumen, können wir schlecht private Eigentümer mit Ordnungsstrafen überziehen“, sagte Schulte: „Wir sind leider ein schlechtes Vorbild.“ Doch die Sanktionsmöglichkeiten gegen schludrige Firmen seien begrenzt – die Drohung mit einer Vertragskündigung nützt nichts, wenn es keine Alternativen gibt, sagte Schulte: „Wir sind in einer doofen Lage.“ Ein für Montag angesetztes Krisengespräch im Landesverwaltungsamt mit den von der öffentlichen Hand beauftragten Winterdienstfirmen wurde gestern kurzfristig abgesagt, es soll bald stattfinden, hieß es in der Innenverwaltung.

Stadtrat Marc Schulte berichtete gestern von knapp 100 Beschwerden über nicht geräumte Gehwege. Im kommenden Winter werde man Schwerpunktkontrollen organisieren, bislang habe man nur auf Beschwerden reagiert. Beim Pro & Contra des Tagesspiegels sprachen sich 95 Prozent der Anrufer für höhere Strafen für säumige Winterdienste aus.

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