Berlin : Schnell geradelt – schnell gezahlt

Pro & Contra: Mehrheit unserer Leser gegen Tempo 10 in Mitte

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Vor dem Lasergerät der Polizei sind alle gleich. Deshalb könnte die geplante Tempo10-Regelung in der Spandauer Vorstadt in Mitte für schnelle Autofahrer und Radler gleichermaßen teuer werden.

Vor allem auf Fahrradkuriere wird mit dem neuen Limit eine Herausforderung zukommen. „Tempo zehn? Das ist ja kurz vor der Umfallgrenze“, sagt Thomas Oehme vom Kurierdienst Moskitos. Tempo zehn ist die Geschwindigkeit, mit der die Oma mit zwei schweren Einkaufsbeuteln am Lenker nach Hause radelt. Sportliche Freizeitradler fahren etwa 22, Kuriere oft über 30 Kilometer in der Stunde. Letztere verdienen ihr Geld als selbstständige Unternehmer, müssen also aus eigener Tasche für Verkehrsverstöße zahlen. Von Radler-Ärger wegen Raserei habe er noch nie gehört; häufig seien Strafen wegen Fahrens bei roter Ampel oder durch Fußgängerzonen. Auch bei Messenger Transport Logistik, einer der größten der Branche in Berlin, sind die Kuriere für sich selbst verantwortlich.

Im Pro und Contra des Tagesspiegels am Sonntag hat sich eine Mehrheit unserer Leser gegen Tempo 10 ausgesprochen: 62,7 Prozent der Anrufer lehnten die Pläne ab, 37,3 Prozent waren dafür.

Die Polizei wird auf den Tempo-10-Abschnitten nicht blitzen, weil die Geräte mit Fotoapparat sich eher für höhere Geschwindigkeiten eignen. Die Kontrolle per Laser ist dagegen kein Problem. „Aber einen Ermessensspielraum haben wir“, heißt es bei der Polizei. Auf jeden Fall haben Eilige fünf km/h Toleranz plus drei km/h Mess-Ungenauigkeit gut. Ärger gibt es erst ab 19 Sachen. Die schlechte Nachricht: ein fehlender Tacho ist keine Ausrede. Und anders als bei vielen anderen Verstößen gilt für rasende Radler kein Ermäßigungstarif. Wer etwa mit Tempo 30 durch den Messstrahl rauscht, zahlt 35 Euro. obs

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