Berlin : Schnell hochgekocht

Eine Studentin hat die Initiative gegen den Kreuzberger McDonald’s gegründet

Sebastian Leber

Zum ersten Treffen kamen 110 Menschen. Studenten, Anwohner und Umweltschützer. Mit dem Andrang hatte Katrin Schmidberger, 24, nicht gerechnet. Sie ist eine der Gründerinnen der Bürgerinitiative, die den Bau der ersten Kreuzberger McDonald’s-Filiale in der Wrangelstraße verhindern will. Die Studentin der Sozialwissenschaften wohnt in der Urbanstraße, das liegt im ehemaligen Kreuzberg 61, weit weg vom Wrangelkiez. „Aber ich fühle mich zugehörig zu dem, was hier vor sich geht.“ Vor allem zu den 7000 Schülern, die in der Nähe zum Baugrundstück unterrichtet werden. Denen würde ein McDonald’s nicht bekommen, glaubt Schmidberger. „Ich weiß, wie die Kreuzberger Kids ticken.“ Viele hätten nie von ihren Eltern gelernt, wie wichtig gesunde Ernährung ist. „Die möchte ich schützen.“

Sie ärgert sich, dass manche sie jetzt „als linke Spinnerin hinstellen wollen. Klar hat McDonald’s das Recht, hier zu bauen. Aber wir haben auch das Recht, uns dagegen zu wehren“. Nur mit friedlichen Mitteln, Gewalt lehnt sie ab. „Es soll ein positiver Protest werden.“ Und ein kreativer: Schmidberger plant ein öffentliches Massenpicknick rund um das Baugelände.

Eine Arbeitsgruppe kümmert sich um die rechtliche Seite. Chancen, den Bau per Bürgerbegehren zu stoppen, sieht sie nicht. Aber vielleicht könne man den Abschnitt der Wrangelstraße zur Spielstraße erklären, grinst Schmidberger. Dann wäre dort Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben, das würde so manchem potenziellen Drive-Thru-Kunden den Appetit nehmen, sagt sie. Nein, Schmidberger findet sich nicht fundamentalistisch. Sie ist zwar Vegetarierin, aber sie hat früher bei McDonald’s Gemüse-Macs gegessen. Das war allerdings zu Schulzeiten.

Die Gruppe hat eine Homepage eingerichtet: www.keinmcdoofinkreuzberg.de heißt sie. Richtig losgehen soll der Protest erst nach dem G-8-Gipfel. Weil viele Mitglieder mit den Vorbereitungen für ihre Proteste in Heiligendamm beschäftigt sind. „Man kann sich ja nicht zerteilen.“ Sie planen auch Informationsveranstaltungen. Auf denen sollen ehemalige McDonald’s-Angestellte erzählen, wie der Arbeitsalltag an der Frittenmaschine aussieht. Noch unklar ist, ob auch Konzernsprecher eingeladen werden. „Ich fürchte, die schicken dann aalglatte und geschulte Typen vorbei, die alles an sich abprallen lassen.“ Gerne wollen sie José Bové einladen, den französischen Bauern, der seit Jahren gegen McDonald’s kämpft. Berühmt wurde er, als er mit Gleichgesinnten und einigen Traktoren ein McDonald’s-Gebäude einriss. Aber der Mann kenne sich auch mit friedlichem Protest aus, sagt Schmidberger. Vielleicht könne man die eine oder andere von Bovés Ideen im Wrangelkiez ausprobieren. Sebastian Leber

Die Mehrheit der Tagesspiegel-Leser teilt die Bedenken der Initiative nicht. Bei unserem Pro & Contra haben sich 59,7 Prozent für den Bau ausgesprochen, 40,3 Prozent dagegen.

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