Schnell ins Umland : Falkensee will Option für S-Bahn

Pläne für einen 30-Minuten-Takt beim ICE gefährden den Regionalverkehr. Nun reagiert Bürgermeister Heiko Müller auf die Pläne der Bahn.

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Wer bleibt auf der Strecke? Heiko Müller, Bürgermeister in Falkensee, der am "schnellsten wachsenden Stadt Deutschlands" (Eigenwerbung).
Wer bleibt auf der Strecke? Heiko Müller, Bürgermeister in Falkensee, der am "schnellsten wachsenden Stadt Deutschlands"...Foto: Thilo Rückeis

Heiko Müller (SPD), Bürgermeister von Falkensee, will die Option für den Bau einer S-Bahn-Verbindung nach Berlin offenhalten. Hintergrund sind die Pläne der Bahn, von 2017 an halbstündlich mit einem ICE zwischen Berlin und Hamburg zu fahren. Dann kann es, wie berichtet, zwischen Nauen und Berlin zu Einschränkungen im Regionalverkehr kommen, weil sich dessen Züge die beiden Gleise mit dem Fern- und dem Güterverkehr teilen müssen.

Die Landesregierung setzt bei den Verbindungen nach Berlin bisher ausschließlich auf den Regionalverkehr. Müller sagte dem Tagesspiegel am Montag, er sehe das Versprechen des Landes skeptisch, durch den Bau eines weiteren Gleises für den Regionalverkehr den Engpass auf den Schienen zu beseitigen. Das Verlängern oder den Neubau von Überholgleisen zwischen Berlin und Nauen zur Kapazitätserhöhung hat Brandenburg jetzt für den neuen Bundesverkehrswegeplan angemeldet.

Mit der Straßenbahn nach Spandau: Und sie fährt doch!
Und sie fährt doch nach Spandau: Diese alte Straßenbahn steht im Depot für Kommunalverkehr am Monumentenplatz in Schöneberg.Weitere Bilder anzeigen
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06.10.2016 07:51Und sie fährt doch nach Spandau: Diese alte Straßenbahn steht im Depot für Kommunalverkehr am Monumentenplatz in Schöneberg.

Das Nadelöhr befinde sich aber im Bahnhof Spandau, wo es keine Kapazitäten gebe, den Verkehr von einem weiteren Gleis aufnehmen zu können, sagte Müller. Er fordert, den möglichen Betrieb gutachterlich prüfen zu lassen.

Für den Bau eines Gleises für die S-Bahn liegt ein – positives – Gutachten vor. Eine Nutzen-Kosten-Untersuchung hatte bereits 2008 die Wirtschaftlichkeit für eine Verlängerung der S-Bahn vom Bahnhof Spandau bis Falkensee nachgewiesen – mit besonders guten Werten auf Berliner Gebiet und etwas schlechteren im Umland.

Nachteilig wirkte sich hier vor allem aus, dass die Gutachter annahmen, dass die Regionalzüge aus Nauen dann – bis auf wenige Ausnahmen – in Falkensee enden würden, wo die Fahrgäste in die S-Bahn umsteigen müssten. Dies würde, so die Gutachter, die Zahl der Fahrgäste insgesamt nach unten drücken. Brandenburg und der Bund lehnten deshalb den Bau einer S-Bahn ab, und erst vor kurzem bekräftigte Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD), dass es auf Brandenburger Gebiet keine neue S-Bahn-Verbindung geben werde. Vorgesehen ist derzeit lediglich der Bau eines zweiten Gleises zwischen dem Hauptbahnhof in Potsdam und Babelsberg, um den Zehn-Minuten-Verkehr zu stabilisieren.

Nächster Halt, S-Bahnhof Hackbuschstraße

Bis zum Mauerbau war die S-Bahn bereits nach Falkensee gefahren, allerdings auf den Gleisen der Fernbahn, die dafür eine seitliche Stromschiene erhalten hatten. Im Einigungsvertrag hatte der Bund versprochen, bis auf wenige Ausnahmen den Wiederaufbau des S-Bahn-Netzes auf den Stand von 1961 zu finanzieren. Das dafür vorgesehene Geld ist inzwischen aber aufgebraucht. Der Senat will die Gleise der S-Bahn zumindest auf dem Stadtgebiet bis zur Hackbuschstraße verlängern. Eine Finanzierungsvereinbarung hierfür gibt es aber auch noch nicht.

Für Heiko Müller ist die S-Bahn trotz der Krise der vergangenen Jahre ein „Projekt der Zukunft“. Und der Falkenseer Bürgermeister kann sich sogar vorstellen, dass die S-Bahn eines Tages über Falkensee hinaus bis nach Nauen fahren kann – wie es einst in der DDR geplant war.

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