Berlin : Schnelle Reaktion auf MoMA-Urteil

Wer mit der Jahreskarte Plus in die Ausstellung in der Nationalgalerie will, muss jetzt nicht mehr zusätzlich Eintritt zahlen

Fatina Keilani

Ab sofort kommen alle Inhaber einer „Jahreskarte Plus“ der Berliner Museen in die MoMA-Ausstellung, ohne Eintritt zu zahlen. Der Tagesspiegel hat es gestern ausprobiert: Das gesamte Personal an Kassen und Türen der Neuen Nationalgalerie war über die Neuerung im Bilde. Wer mit seiner Jahreskarte Plus ohne zu zahlen hinein will, braucht sich gar nicht erst an der pinkfarbenen Ticket-Bude anzustellen, sondern kann sich gleich in die Warteschlange einreihen. Bis man drin war, dauerte es gestern im Schnitt drei Stunden.

Bisher mussten Inhaber der Jahreskarte Plus den halben Eintrittspreis zahlen, durften dafür aber ohne zu warten durch den VIP-Eingang in die Schau mit Werken aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA). Jetzt haben sie die Wahl zwischen beiden Varianten. Ein Wilmersdorfer Ehepaar hatte auf freien Zutritt geklagt und gewonnen (wir berichteten).

Das Museum reagierte schnell. Nach der Gerichtsentscheidung vom Donnerstag, die am Freitag bekannt wurde, hatte die Museumsleitung das Personal bis zum Sonnabend informiert.

Das Wilmersdorfer Ehepaar Z. hatte sich zwei Jahreskarten Plus zum Stückpreis von 61 Euro gekauft; anders als die reguläre Jahreskarte für damals 31 Euro ermöglicht die Plus-Karte auch den freien Eintritt in Sonderausstellungen. Auf der Karte steht wörtlich: „Gültig für alle Ausstellungen über 12 Monate nach eingetragenem Datum.“ Mittlerweile haben sich bei den Jahreskarten aber zwei Dinge geändert: Sie kosten jetzt 80 und 40 Euro und sind seit dem 1. April nicht mehr übertragbar. Wer eine solche neue, namensgebundene Karte hat, der muss zusätzlich seinen Personalausweis vorzeigen. „Es soll ja keiner vor unserer Tür einen Bauchladen mit Jahreskarten aufmachen“, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, dem Tagesspiegel.

Schuster vertrat gegenüber den Z.s die Auffassung, dass die Jahreskarte für die MoMA–Schau nicht gilt, weil diese keine Sonderausstellung der staatlichen Museen sei, sondern allein vom Verein der Freunde der Nationalgalerie finanziert wird. Da sei doch das Angebot, nur den halben Preis zu zahlen, äußerst günstig. Deshalb wich er auch nicht zurück, als die Z.s den Gang vor Gericht ankündigten.

Für das Gericht allerdings war die Rechtslage völlig eindeutig. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Trägerin der Staatlichen Museen zu Berlin ist, habe sich gegenüber den Z.s „unbedingt verpflichtet, ihnen für die Dauer von einem Jahr ab Kaufdatum bei allen von ihr veranstalteten Ausstellungen freien Eintritt zu gewähren“. Nur so und nicht anders seien die Konditionen der Jahreskarte Plus zu verstehen gewesen.

Peter Raue hält die Entscheidung für grundfalsch, sagt aber, natürlich werde man sich daran halten. Raue ist Rechtsanwalt und als Vorsitzender der Freunde der Nationalgalerie der Mann, der das MoMA nach Berlin holte. Wer als Inhaber einer Jahreskarte Plus bereits gezahlt habe, bekomme sein Geld jetzt nicht zurück. „Die haben unser Angebot doch angenommen, die haben nur fünf Euro für den Eintritt durch den VIP-Eingang gezahlt, das kostet normalerweise 27 Euro, und dann haben sie eine herrliche Ausstellung gesehen – was will man eigentlich mehr?“

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