Berlin : Schnelle Schlange

Die Franzosen sind da – und die ersten Fans mussten nicht lange warten

Christoph Stollowsky

Der eine Pförtner nimmt den Ticketscanner zur Hand, der andere lässt seine Uhr nicht aus den Augen. Noch eine halbe Minute bis zum ersten großen Ansturm am Freitag auf die schönsten Franzosen aus New York. Ganz vorne in der 50 Meter langen Schlange vor den Drehtüren der Neuen Nationalgalerie rücken die Leute so eng auf, als wollte jeder der Erste sein bei Renoir, Monet & Co. Aber den Mitfünfziger Klaus Berndt aus Spandau kann niemand mehr überrunden. Er hat vor einer Stunde, als die Kassen öffneten, das Ticket mit der Nummer 1 erworben und darf um 10 Uhr am Eröffnungstag der neuen spektakulären Gemäldeschau zuallererst hinein. Sein Wunschtraum wird wahr: „Einen Moment lang will ich mit den bezaubernden Bildern allein sein.“

Es war tatsächlich nur ein kurzer unvergesslicher Augenblick. Rund 900 Besucher flanierten gestern bereits bis zur Mittagszeit durch die Sonderausstellung mit 150 französischen Meisterwerken des 19. Jahrhunderts aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art. Doch nach dem ersten Andrang wurde es dann deutlich ruhiger: Zeitweise bewunderten nachmittags nur rund 300 Besucher zugleich die Gemälde, 800 haben maximal in den Ausstellungsräumen Platz. Und vor den Kassen musste man kaum mehr als zehn Minuten warten. Beim Veranstalter, den „Freunden der Neuen Nationalgalerie“, war man dennoch mit der Premiere „zufrieden“. Vermutlich hätten viele Interessenten den Auftakt gemieden, weil sie mit den Bildern der MoMa-Schau im Kopf besonders zum Start endlose Schlangen befürchteten. Dabei habe auch die MoMa eher ruhig begonnen. Bis zur Schließzeit um 20 Uhr kamen rund 4500 Besucher. Deshalb musste das neue Ticketsystem mit nummerierten Tageskarten seine Bewährungsprobe noch nicht bestehen. Die meisten Interessenten wurden mit ihrer Karte sofort eingelassen. Nur während einiger Stoßzeiten gaben Besucher ihre Kartennummer in die Infopoints vor dem Gebäude ein, erfuhren per Monitor ihren nur wenig späteren Einlasstermin und tranken bis dahin noch einen Café au Lait auf der Galerieterrasse.

Manche Besucher hatten allerdings Probleme mit dem elektronischen Ticketverfahren und vermissten Servicepersonal.Das soll ab morgen verstärkt werden. Auch die telefonische Hotline 0180-54100 wird mit mehr Leuten besetzt. Gestern mussten Anrufer dort bis zu 20 Minuten warten. Am heutigen Samstag und am Sonntag ist von 10 bis 20 Uhr geöffnet.Christoph Stollowsky

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