Berlin : Schneller im Film: Kinos kürzen Werbung

Fast eine Stunde Reklame – Zuschauer protestieren gegen langes Warten. Jetzt geben die großen Ketten Cinemaxx und UCI nach

Matthias Oloew

Das neue Jahr beginnt mit einer guten Nachricht für Kinobesucher. Nach massiven Protesten gegen immer längere Werbung vor den Hauptfilmen beschloss die Cinemaxx AG am Montag, die Werbeblöcke zu kürzen. Auch die Kette UCI kündigte an, künftig nur noch zwanzig Minuten Werbung vor dem Film zu zeigen. Vierzig Minuten und länger liefen zuletzt die Spots, bevor die Vorstellung beginnt. „Es ist in einzelnen Theatern zu Überlängen gekommen“, bestätigte Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt dem Tagesspiegel. In kleinen Kinos ist der Trend genau umgekehrt: Dort gibt es immer weniger Werbung.

Die Klagen von Kunden der großen Kinoketten häuften sich. Beispiel eins: Nach einem langen Werbeblock und einer Unterbrechung des Hauptfilms mit einer Eisverkaufspause im CineStar im Sony-Center kam es am Freitag zu einem Aufstand der Gäste. „Wir wollen kein Eis kaufen, wir wollen den Film sehen“, riefen die Besucher. Beispiel zwei: In der Tagesspiegel-Redaktion gehen Beschwerden ein von Kunden, die um 22.15 Uhr im Cinemaxx am Potsdamer Platz Harry Potter sehen wollten, den Film aber erst um 23 Uhr zu sehen bekamen. Sie sind schließlich gegen 1.30 Uhr aus dem Kino gekommen – dann sind sämtliche U-Bahnen weg. Die meiste Werbung gab es bei Beispiel drei: Länger als 50 Minuten mussten sich die Kunden im Zoo-Palast der Kette UCI gedulden, ehe der neue James Bond anfing.

Der Grund für die vielen Werbespots sind die attraktiven Filme, die derzeit laufen. Nach dem neuen James Bond, Harry Potter, Herr der Ringe und aktuell „8 Mile“ mit dem Rapper Eminem sind der Reihe nach Kassenschlager gestartet, die die Massen vor die Leinwände locken. Ausverkaufte Säle und Karten, die im Vorverkauf bestellt werden müssen – das ist für die Werbung interessant. Generell gilt: Die Kinos nehmen an Werbespots, was sie kriegen können. „Ohne Werbung wären die Eintrittskarten zwischen 50 Cent und einem Euro teurer“, sagt der Cinemaxx-Sprecher. Allerdings sind nicht in allen Kinos der Stadt die Werbeblöcke so lang. Die Häuser der Yorck-Kette (Yorck, Broadway, Delphi, Cinema Paris, Odeon, Off) zum Beispiel sind durch die Konkurrenz der Multiplexe für die Werbewirtschaft kaum noch interessant. „Früher hatten wir ein Werbe-Limit von 20 Minuten“, sagt Yorck-Chef Georg Kloster. Dieses Limit werde heute nicht mehr erreicht, Beschwerden über zu viel Werbung gebe es nicht.

Die Cinemaxx AG will nun die Werbung kappen und Sozial-Spots, etwa vom Roten Kreuz, und Eigenwerbung streichen. Auf Kommerz-Filmchen und Trailer, die auf kommende Filme hinweisen, will die Cinemaxx AG nicht verzichten. UCI verspricht, im Januar auf 20 Minuten Werbung zurückzukehren. „Das ist unser normales Maß“, erklärte Firmensprecher Gregor Welles.

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