Berlin : Schneller und öfter nach Wannsee

Nach jahrelangen Bauarbeiten fährt die S-Bahn jetzt im Fünf-Minuten-Takt – wenn das neue Stellwerk mitmacht

Klaus Kurpjuweit

Nach jahrelangen Bauarbeiten nimmt die S-Bahn am heutigen Montag um kurz nach 4 Uhr die gesamte Wannseebahn wieder in Betrieb – falls das neue elektronische Stellwerk nicht schlapp macht. Mit dieser Technik gab es in der Vergangenheit oft Probleme, weshalb die Wiedereröffnung der Wannseebahn auch verschoben werden musste.

Für rund 100 Millionen Euro ist die Strecke zwischen Anhalter Bahnhof und Wannsee saniert worden. Nun können dank neuer Signaltechnik die Züge statt alle zehn Minuten alle fünf Minuten fahren. Vom 24. Februar an lässt die S-Bahn die Züge in den Hauptverkehrszeiten auch in diesem kurzen Takt zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz fahren. Dann soll die „neue“ Wannseebahn als Umfahrungsstrecke für Züge aus Potsdam dienen, weil der Abschnitt zwischen Charlottenburg und Zoo für fast ein Jahr gesperrt wird. Die Züge der S 1 aus Oranienburg/Frohnau enden dann nicht mehr in Wannsee, sondern fahren weiter nach Potsdam.

Zwischen Zehlendorf und Wannsee bleibt es allerdings beim Zehn-Minuten-Verkehr. Anwohner hatten beklagt, dass sich durch einen Fünf-Minuten-Takt der Lärmpegel verdoppeln werde. Denn auch die modernsten Züge der S-Bahn gelten nicht als leise. Sie waren Mitte der 90er Jahre entwickelt worden und werden bis heute gebaut. Inzwischen ist die Technik jedoch fortgeschritten, und die Industrie könnte auch leisere Bahnen herstellen. Das französisch-deutsche Unternehmen Connex, das den Betrieb auf dem S-Bahn- Ring übernehmen will, hat bereits versprochen, dort leisere Bahnen einzusetzen, falls Connex den Zuschlag erhält.

Die „neue“ Wannseebahn lässt auch eine höhere Geschwindigkeit zu. In Zukunft können die Züge auf Tempo 100 beschleunigen. Auf die Gesamtfahrzeit wirkt sich dies jedoch kaum aus. Wichtiger für die S-Bahn ist der kürzere Fahrtabstand. Allerdings gibt es am Bahnhof Schöneberg noch nicht die versprochenen Kehrgleise, um dort Züge aus Zehlendorf enden zu lassen. In Schöneberg steigen viele Fahrgäste auf die Ringbahn um, so dass die Züge verhältnismäßig leer weiterfahren. Bevor die Kehrgleise dort gebaut werden können, muss aber das benachbarte Gleis für die Baustofftransporte zum Potsdamer Platz entfernt werden. Da es noch liegt, müssen alle Züge nun weiter zum Potsdamer Platz fahren. Weil dort die Gleise nicht ausreichen, fahren die Züge nur in einem „krummen“ Abstand: auf zwei Mal fünf Minuten folgt jeweils ein Zehn-Minuten-Abstand. Aber daran werden sich die Fahrgäste sicher gewöhnen können.

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