• Schockwaffe konnte Selbstmörder nicht stoppen Mann hatte zuvor Schuss auf Polizisten abgegeben,

Berlin : Schockwaffe konnte Selbstmörder nicht stoppen Mann hatte zuvor Schuss auf Polizisten abgegeben,

dann sprang er aus dem neunten Stock in die Tiefe

Jörn Hasselmann

Erstmals ist ein Polizei-Einsatz mit der Elektroschockpistole „Airtaser“ misslungen. Am Samstagabend konnten SEK-Beamte einen 28-Jährigen Mann, der drohte, sich von einem Hochhaus zu stürzen, mit der 50 000-Volt-Waffe nicht stoppen. Aus bislang unbekannten Gründen wirkte die seit drei Jahren testweise eingesetzte Waffe nicht – Sekunden später sprang Robert R. von einem Balkon im neunten Stock in die Tiefe. Er war sofort tot. Zuvor soll R. nach Tagesspiegel-Informationen mit seiner Waffe auf die SEK-Beamten gefeuert haben, die sich von den darüber liegenden Wohnungen auf den Balkon des Hauses an der Angerburger Allee abseilen wollten. Wegen der Bedrohung mit der Waffe konnten sich die Elitepolizisten nach dem Versagen der Elektroschockpistole nicht auf den 28-Jährigen stürzen.

Mehr als zwei Stunden hatte der Nervenkrieg gedauert, immer wieder hatte sich Robert R. die Waffe an den Kopf gehalten, während er auf der Balkonbrüstung in 30 Meter Höhe saß. Da die Eltern des Mannes zuvor den Beamten gesagt hatten, dass ihr Sohn eine scharfe Waffe habe, waren diese entsprechend vorsichtig. Hinterher stellte sich heraus, dass es sich lediglich um einen Gasrevolver handelte. Die Ermittlungen hat – wie immer beim Einsatz der Dienstwaffe – die Mordkommission übernommen; die Elektroschockpistole gilt als „Waffe“.

Die acht „Taser“ des SEK wurden zuvor fünf Mal in vier Jahren eingesetzt, in allen Fällen erfolgreich: Viermal wurden Selbstmörder gestoppt, einmal wurde ein Randalierer zur Raison gebracht, der mit einem Messer auf Polizisten losgegangen war. „Ein Schlag mit dem Gummiknüppel ist gefährlicher“, sagte SEK-Chef Martin Textor. Möglicherweise habe der Taser versagt, weil Robert R. eine dicke Jacke trug. Das Gerät verschießt aus bis zu sechs Metern hauchdünne Metalldrähte, durch die wenige Sekunden lang 50 000 Volt fließen – der Getroffene fällt gelähmt zu Boden und kann überwältigt werden. Folgeschäden sind nicht bekannt, jeder SEK-Beamte hat das Gerät am eigenen Leib ausprobiert. Durch Leder- oder wattierte Jacken dringen die dünnen Pfeile nicht so leicht hindurch. Wie berichtet, wollte das SEK die Schockpistole als Standard einführen; dies lehnte die Innenverwaltung 2004 ab und ordnete an, den „Test“ fortzusetzen. Nach dem Versagen der Waffe ist dieser zunächst ausgesetzt.

Die Feuerwehr hatte keine Möglichkeit, den Sturz des Mannes zu dämpfen. Die auf den Löschfahrzeugen vorhandenen Sprungkissen sind nur für Höhen bis zu 16 Meter geeignet.

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