Berlin : Schön wärs!

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Von Gerd Appenzeller

Als wir uns vor 40 Jahren am Vorabend des 17. Juni kleine, silbernfarbene Anstecker in Form des Brandenburger Tors ans Revers hefteten, dachten wir wirklich: Macht das Tor auf! Was wir damit ausdrücken wollten, war das Gleiche, das Jahrzehnte später der amerikanische Präsident Ronald Reagan pathetisch vor diesem Tor ausrief: Mister Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder! Die kleinen Anstecknadeln, vom Kuratorium Unteilbares Deutschland erfunden, sind Geschichte – wie die Mauer. Das Tor ist auf, Berlin und Deutschland sind frei.

Auf die Idee, das Ausmaß der Freiheit am Recht auf freie Durchfahrt durchs Brandenburger Tor zu messen, konnte man bestenfalls in der sektseligen Stimmung in den Tagen nach dem 9. November 1989 kommen. Spätestens seit dem 3. Oktober 2002, seit der Enthüllung des renovierten Tores, weiß jeder, der davor gestanden hat, was für ein Geschenk diese kleine autofreie Zone ist. Ob Tourist oder Berliner – keiner kann sich der Ausstrahlung, der Würde dieses Platzes entziehen. Leider ist das nur ein Geschenk auf Zeit – ab 16. Oktober sollten wieder Busse und Taxen das Tor durchqueren dürfen...

Bausenator Peter Strieder, ein umtriebiger Mann mit manchmal etwas problematischen Ideen, hat gespürt, dass dies ein Rückschritt wäre. Strieder will nun schnell einen neuen Senatsbeschluss herbeiführen und das Tor endgültig für alle Fahrzeuge dichtmachen. Bravo! Hoffentlich klappt es.

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