Berlin : Schöne Aussicht – keine Nachbarn

Am Potsdamer Platz und am Leipziger Platz stehen Büroetagen und ganze Häuser leer

ChristianvanLessen/RalfSchönball

Sony Music zieht Richtung München ab, die Gewerkschaft Verdi hat ihr Gebäude in den Park-Kolonnaden am Potsdamer Platz schon verlassen. Das von der Delbrück-Bank errichtete Hochhaus steht leer, und schräg gegenüber wirken die neuen Häuser am Leipziger Platz recht unbelebt. Das Angebot an Büro- und Ladenflächen in einer der besten Lagen der Stadt ist üppig. Davon zeugen vor allem am Leipziger Platz etliche Vermietungsplakate der Makler: Sie locken mit „schönen Aussichten“ oder „Bürofreude pur“.

Die Beisheim-Unternehmensgruppe betont, zwei Drittel der Nutzfläche ihres Areals seien langfristig belegt, von einem wirtschaftlichen Flop könne keine Rede sein. Gleich nebenan wird das geplante „AvD“-Palais derzeit nur als Lagerplatz für benachbarte Baustellen genutzt. Der Automobilclub will erst mit dem Bau beginnen, wenn ein Mieter für das Haus gefunden ist. In einem neuen Bürogebäude daneben werden Flächen von 230 bis 8500 Quadratmeter angeboten, an anderer Stelle „zwölf exklusive Wohnungen“. Rund um den Platz fehlen an den Klingelknöpfen reihenweise Namensschilder. „Danach darf man nicht gehen“, erklärt ein Hausmeister, Firmen hätten mehrere Etagen gemietet, viele Wohnungsinhaber wollten unbekannt bleiben. Von einem Bürohaus, das komplett leer steht, weiß er: „Das ist noch nicht übergeben.“ Im Sony-Center sind nach Auskunft des Unternehmens 100 Prozent der Büros und Läden vermietet, von den Residenzen 40 Prozent. Leerstand fällt nur in der „Passarelle“ auf, der unterirdischen Verbindung zum entstehenden Regionalbahnhof. Ein italienischer Wirt hat geschlossen, will erst 2006 wieder öffnen. „Alle warten darauf, dass der Bahnhof fertig wird“, sagt Christiane Rasmuß-Karpiak, Inhaberin der „Croissanterie“. Gut 50 Meter entfernt steht das Lokal mit der feinen Adresse Potsdamer Straße 1 auf der Daimler-Chrysler-Seite leer. Getafelt wird nur auf einem Plakat im Fenster. Leerstand sei für das Daimler-Viertel aber kein Thema, sagt Sprecherin Ute Wüest von Vellberg.

Allerdings stünden zehn Prozent der Wohnungen leer, aber das liege unter anderem am häufigen Wohnungswechsel von Botschaftsangehörigen. Die großen Bürogebäude seien langfristig vermietet, voll vermietet auch die Arkaden. Nach Angaben von Maklern ist der Potsdamer Platz mit dem Gendarmenmarkt die derzeit teuerste Lage in Berlin. Sven Stricker, Berlin-Chef des Maklerhauses Atis-Real Müller, sagt: „Die Mietpreise liegen zwischen 18 Euro und 23 Euro je Quadratmeter Nutzfläche.“ Frank Orten, Immobilienberater von City-Report, nennt einen Höchstpreis von 30 Euro pro Quadratmeter: Aber den zahle man nur in den obersten Etagen der Hochhäuser. Auf der Rückseite der Blöcke könne man schon für 16 Euro pro Quadratmeter mieten.

Büroflächen in bester Lage sind nach Ansicht der Experten viel günstiger zu haben als in vergleichbaren Toplagen in München. Das liege am großen Angebot leer stehender Immobilien. Deshalb seien Mietpreise am Potsdamer Platz in den letzten zwei Jahren erheblich gesunken.

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