Berlin : "Schöne Party": DJ Thomasig liebt den Klang der Gitarre

Uta Falck

"Entdecke den DJ in dir!" So oder so ähnlich könnten die Beschwörungsformeln der Moderatoren und Partymacher Wieprecht und Skuppin an den Schriftsteller Thomas Brussig geklungen haben, als sie ihn fragten, ob er nicht auflegen möchte. Den Bestseller-Autor von "Helden wie wir" und "Sonnenallee" zog die Neugier, und so steht er jetzt auf dem Veranstaltungsplan der sechsten "Schönen Party", wo er am Sonnabend als DJ "Thomasig" sein Debut geben wird.

Die achtzig auserkorenen Titel entstammen mehrheitlich Brussigs Teenager-Zeit, den 70er und 80er Jahren. Der Auswahlprozess ging nicht ohne sentimentale Gefühle ab. "Wenn ich mich mit der Musik beschäftige, die mir mal gefallen hat und die mir immer noch gefällt, dann ist das auch eine Begegnung mit meiner Vergangenheit", sinniert er. Damals stand die Mauer noch, und Brussig war, wie viele, denen die Jugendweihe einen Kassettenrecorder beschert hatte, ein ambitionierter Musikfan. Einer, der regelmäßig "Schlager der Woche" aufgenommen hat und sich mit wildfremden Leuten zum Plattenüberspielen traf. In "Sonnenallee" beschreibt er diese besondere Art des Musikkonsums: "Damals wurde nur überspielt. Überspielen war das Wort. Irgendeiner hatte die Platte, und dann wurde sie auf Kassette überspielt. Man musste sich gar nicht groß kennen, es reichte ja, dass die Leute dieselbe Musik gut fanden."

Mit der Wende ertranken die ostdeutschen Musikfreunde in einer unüberschaubaren Flut an Titeln. Besitzen konnte jetzt jeder - das war nicht mehr interessant. Was bleibt, ist Erinnerung. Die ist bei den Partyvorbereitungen ständig präsent: "Ich habe mich sofort wieder zurückversetzt gefühlt. Dieses Aufbegehren, diese Wut, die aus der Musik sprach. Dieses Gefühl von Freiheit oder von Stärker-sein-als-alle - Emotionen, nach denen man in dem Alter gesucht hat!" Brussig, der inzwischen den Auflegern einigen Respekt zollt, möchte seinen Gästen ein wenig von der Nostalgie einhauchen, die ihn selbst ergriffen hat, mit Erinnerungen an wilde Faschingspartys oder den Übersetzungsversuchen der Songtexte, die dem Englischunterricht zu Gute kamen.

Wenn "Thomasig" an diesem Sonnabend in den Räumen der Kalkscheune den ehemaligen Franz-Club wieder auferstehen lässt, dann darf man sich auf Musik freuen, in der die Gitarren was zu melden haben. Mit Musik von den Stones, der New Model Army, oder auch Udo Lindenberg und seinem "Sonderzug nach Pankow". "Ich habe einen Geschmack, der ist nicht so speziell. Ich will, dass die Leute sagen, dass es eine richtig gute Party war. Ich mache das so, wie ich das immer mache: Ich schreibe Bücher, die ich gerne lesen würde und so spiele ich auch die Titel, die ich selber gern hören würde."

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