Schöneberg : Küsse gegen Homophobie

Nach den mutmaßlich homophoben Beleidigungen eines Eisdielenwirtes in der Maaßenstraße in Schöneberg sind weitere Vorfälle bekannt geworden – der Mann soll sogar handgreiflich geworden sein. Im Internet wird jetzt zu einer Protestaktion aufgerufen.

Tanja Buntrock

Der Betreiber des sich unmittelbar neben der Eisdiele befindlichen Ladens „Dolce Pizza“ stellte inzwischen klar: „Ich distanziere mich ganz klar von dem Verhalten meines Nachbarn. Bei uns ist jeder Kunde, egal ob homo oder hetero und egal welcher Hautfarbe und Nationalität willkommen“, sagte der Betreiber, Massimiliano Franzini (42). Er sei lediglich der Pächter des Geschäftes und habe in der Vergangenheit selbst schon Streit mit dem Eisdielenbesitzer gehabt.

Franzini schildert, dass das Verhalten seines Nachbarn schädlich für sein Geschäft sei. Er betreibt „Dolce Pizza“ seit vier Jahren und sei sogar im Szene-Magazin „Siegessäule“ als Laden mit der „besten schwulen Pizza der Stadt“ genannt worden. „Wir haben den Nachbarn zur Rede gestellt, aber er ändert sich nicht. Er ist einfach so“, sagte der Geschäftsmann. Auch habe er ihm einen Brief geschrieben, dass er sein geschäftsschädigendes Verhalten beenden solle.

Wie berichtet, schilderte eine 28-Jährige, dass sie am Sonntag von dem Eisladenwirt beleidigt wurde, weil sie ihrer Freundin kurz einen Kuss gegeben hatte. Mit den Worten „Zwei Frauen, die sich hier küssen, bediene ich nicht“, soll er sie verjagt haben.

Gegenüber dem Tagesspiegel bestritt er nicht, das Paar zum Gehen aufgefordert zu haben, nachdem es „20 Minuten herumgeknutscht“ habe. Das schwule Überfalltelefon protokollierte einen Vorfall am 7. April, wo er zwei schwulen Männern untersagt habe, sich vor seinem Laden zu umarmen. Vor zwei Jahren soll er zwei Männer, die vor der Eisdiele in der Schlange standen, ermahnt haben, sich nicht zu küssen. Gestern meldete sich ein junger Mann, der am 25. April sogar körperlich angegriffen worden sei. Der 22-Jährige, der mit Freunden vor der Diele stand, sei mit den Worten „schwule Sau“ und „verpisst Euch“ beschimpft worden. Zudem sei er geschubst worden. Der junge Mann erstattete Anzeige. Die Polizei bestätigte, dass ermittelt wird.

Bastian Finke von der schwulen Opferberatung „Maneo“ sagte, er habe sich am Dienstag per Brief an den Bezirksbürgermeister Ekkehard Band gewandt, um „gewerberechtliche Schritte prüfen zu lassen“. Auch der Lesben-und Schwulenverband (LSVD) hat ans Bezirksamt geschrieben. Beide Organisationen verweisen auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wogegen der Betreiber eines typischen Massengeschäftes mit seinem Verhalten verstoßen habe. „Die Geschädigten könnten somit auch zivilrechtlich gegen ihn vorgehen“, sagte Finke.

Im Internet kursiert ein Aufruf zu einer Aktion am Sonnabend um 14 Uhr: Die Teilnehmer wollen sich vor dem Laden verabreden zum „Eis essen und knutschen“, wie es hieß.

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