Schöneberg : Sie haben ein Päckchen zu tragen

In Schöneberg machen Filialen der Postbank dicht. Anwohner beklagen jetzt lange Wege – und haben Unterschriften gesammelt.

Franziska Ehlert
Gepackt. Hochbetrieb bei der Post. Wenn Filialen dicht machen, gibt es Protest.
Gepackt. Hochbetrieb bei der Post. Wenn Filialen dicht machen, gibt es Protest.Foto: Thilo Rückeis

„Unterm Strich zähl ich“ – mit diesem Slogan wirbt die Postbank. Nur konsequent umzusetzen scheint das Unternehmen das Motto nicht, das finden zumindest jene Berliner, die noch bis vor kurzem ihre Post- und Bankgeschäfte in der Filiale in der Westarpstraße am Bayerischen Platz erledigten. Die ist inzwischen geschlossen, Anwohner protestieren mit einer Unterschriftenaktion dagegen. Der Ärger in der Nachbarschaft ist groß: In Schöneberg soll jetzt eine weitere Filiale in der Geisbergstraße dicht gemacht werden.

Mit der Schließung gerechnet hat in der Gegend keiner. „Wir verstehen auch den Sinn der Sache nicht“, erklärt Ute Mosig, die im „Buchladen Bayerischer Platz“ arbeitet. Die Filiale der Postbank mit dem Schalter der Deutschen Post lag gleich um die Ecke. „Vorher haben wir auch unsere Bankgeschäfte dort erledigt. Jetzt haben wir uns entschieden, das Konto des Buchladens zu einer anderen Bank zu verlegen.“ Gemeinsam mit einem engagierten Kunden nahm die Geschäftsführung des Buchladens Kontakt zu den Fraktionen der SPD und Grünen auf und startete eine Unterschriftenaktion für den Erhalt der Poststelle. Die Liste hat das Buchladen-Mitarbeiterteam an die Post geschickt. „Ich muss sagen, ich finde es einfach nur unverschämt, wie sich das Unternehmen verhält“, sagt Christiane Fritsch-Weith, die Inhaberin des Buchladens.

Bei der Postbank heißt es auf Nachfrage, man habe das Finanzcenter in der Westarpstraße aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. In der Hauptstraße gibt es nun eine Filiale, die auch die Kunden des Einzugsgebietes um den Bayerischen Platz mit betreuen soll. Für Ute Mosig ist das keine Alternative. „Ich kann mit dem ganzen Geld unmöglich so weit durch die Stadt laufen“, sagt sie. Zu Fuß sei man bis zur Hauptstraße gut 15 Minuten unterwegs – gerade für ältere Leute sei das eine Zumutung.

Wie berichtet, übergibt die Deutsche Post alle Standorte in Berlin an die Postbank oder ersetzt sie durch Partnerfilialen in Läden. Schon jetzt befinden sich Bank und Post häufig in einer Geschäftstelle, zukünftig sollen alle eigenen Zweigstellen der Post geschlossen werden. In den ehemaligen Räumen von „Rahaus Wohnen“ am Wittenbergplatz eröffnet im Oktober ein neues Postbank-Finanzcenter. Nachteile durch Post-Schließungen würden sich für die Kunden nicht ergeben, man wolle sie zudem rechtzeitig ankündigen, heißt es bei der Postbank.

Das hätte sich Ute Mosig auch für die Filiale Westarpstraße gewünscht. Als der Umzug des Geschäftes zehn Tage vorher angekündigt wurde, habe man nicht entnehmen können, dass es sich sowohl um die Bank als auch um die Poststelle handele. „Viele Leute bemerken jetzt erst, dass die Post nicht mehr da ist. Sie wissen oft nicht, wohin mit ihren Paketen.“

Um diesem Problem beizukommen, bemüht sich die Post, in der Gegend um die geschlossenen Filialen auch in Schöneberg Partner zu finden, die eine Poststelle in ihr Geschäft integrieren. Buchladenbesitzerin Christiane Fritsch-Weith hat das indes abgelehnt. „In der Weihnachtszeit haben die Leute früher in der Post in Dreierreihen angestanden.“ Ihr Buchladen könne so einen Ansturm nicht verkraften. Franziska Ehlert

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