Schöneberger Gasometer : Der Energie-Universität geht die Kraft aus

Großprojekt am Schöneberger Gasometer kommt langsamer voran als geplant – Geld ist nicht da, aber ein prominenter Förderer.

Christoph Stollowsky
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Vision. Für die Gasometer-Pläne der Euref fehlt vorerst das Geld. Simulation: promodpa

Über die Bildschirme flimmerten prächtige Visionen. Moderne wissenschaftliche Lehr- und Institutsgebäude, ein Hotel, Büros und Wohnungen rund um den Schöneberger Gasometer. So soll das Großprojekt nahe dem Bahnhof Südkreuz mit dem Titel „Europäisches Energieforum“ (Euref) aussehen, wenn die letzten Handwerker gegangen sind. Für eine Pressekonferenz am Gasometer wurde das am Donnerstag demonstriert, doch zugleich war zu erfahren, dass dieses Vorhaben wesentlich langsamer vorankommt, als bislang in Aussicht gestellt. Für die geplante private Energie-Universität sind zur Zeit keine Gelder aufzutreiben, stattdessen werde es erst einmal themenbezogene Tagungen geben in zwei historischen Gebäuden, die bis Mitte 2010 am Gasometer saniert sein sollen, teilten die Projektentwickler mit.

Als prominenten Förderer für ihr vorerst mit „kleineren Schritten“ angegangenes Projekt präsentierten sie Ex-Außenminister und Grünen-Patriarch Joschka Fischer. Der bekam allerdings schon am Donnerstag postwendend wegen dieses Engagements Ärger mit seinen Parteifreunden im Abgeordnetenhaus.

Fischer übernimmt die Leitung des „Euref-Dialogforums“, das ab 2010 viermal jährlich internationale Energiefachleute zu Tagungen unterm Gasometer zusammenbringen soll. „Wir wollen Spezialisten zusammenführen, damit nicht jeder in seinem Bereich vor sich hinwerkelt“, sagte Fischer. Die Teilnehmer sollten gemeinsam übergreifende Strategien für eine „nachhaltige, effiziente Energieerzeugung entwickeln“. Zur Seite stand Fischer Frank Behrendt, Ingenieurwissenschaftler der Technischen Universität (TU). Im Energiesektor müsse man „dringend“ alle Techniken in ihrer Gesamtheit im Blick behalten und aufeinander abgestimmt weiterentwickeln, betonte er. Deshalb unterstütze die TU das Großprojekt am denkmalgeschützten Gasometer.

Aus Sicht der Grünen im Parlament ist aber zumindest die nun erst einmal auf die lange Bank geschobene Energie-Universität „eine Mogelpackung“. Dieses Wissenschaftszentrum habe den Projektentwicklern um den Berliner Architekten Reinhard Müller nur als „politisches Argument“ gedient, um den lukrativen Bebauungsplan auf dem Gasometer-Areal von insgesamt 165 000 Quadratmetern durchzusetzen – das ist die etwa eineinhalbfache Fläche des Sony-Centers. Neben der Universität sind dort auch bis zu 55 Meter hohe Büro- und Hotelblocks geplant – ausgestattet mit Solaranlagen und weiteren Techniken, die Umweltfreundlichkeit garantieren. Bis 2012/13, so hieß es bislang, sollte dieses erste emissionsfreie Büroviertel Europas fertig sein und dann von innovativen Firmen und Instituten des Energiesektors genutzt werden.

Inzwischen ist aber offen, ab wann der Hauptteil des Areals bebaut werden kann. „Wir beginnen, wenn Zusagen von Investoren vorliegen“, sagte gestern Reinhard Müller. Der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Bernd Krömer (CDU), findet es zwar bedauerlich, dass die Energie-Universität noch in den Sternen steht, behält aber seinen Optimismus. Krömer: „Wir haben den Bebauungsplan abgesegnet, um diese Gegend zukunftsweisend aufzuwerten.“ Wenn das nun mit kleineren Schritten als ursprünglich geplant geschehe, sei es dennoch begrüßenswert. Deshalb glaubt er weiter an das Projekt. Ähnlich sieht es der Energieexperte der SPD im Abgeordnetenhaus, Daniel Buchholz. „Es ist besser, jetzt nur zu bauen, was abgesichert ist.“ Spätere Bauruinen würden niemandem nutzen. Christoph Stollowsky

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