Schönefeld : Allein auf weitem Rollfeld

Die Flugsicherung baut in Schönefeld einen 72 Meter hohen Tower - mitten auf den Flughafengelände. Der Weg dorthin ist aber zunächst beschwerlich.

Klaus Kurpjuweit
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Der Neue. In der Kanzel sind die Lotsen, im Container ist die Technik. Grafik: DFS

BerlinDer künftige Flughafen BBI in Schönefeld erhält ein neues Wahrzeichen. Für rund 35 Millionen Euro lässt die Deutsche Flugsicherung einen neuen Tower bauen, der 72 Meter in die Höhe ragen wird – fast mitten auf dem künftigen Flughafengelände. Nur der Weg dorthin wird für die Lotsen schwierig sein. Der Zugang sollte durch einen Tunnel erfolgen. Auf dessen Bau hat die Flughafengesellschaft aber zunächst verzichtet, um Kosten zu sparen. Für den Weg zur Arbeit und zurück sind die Lotsen jetzt auf einen Shuttle-Verkehr zwischen Turm und Terminal angewiesen, dessen Fahrten jeweils extra genehmigt werden müssen.

Die Lotsen, die vom Turm aus den Verkehr am Boden und im Luftraum bis zu einer Höhe zwischen 3000 Fuß ( 914 Meter) und 2500 Fuß ( 762 Meter) kontrollieren, hatten gehofft, den Arbeitsplatz durch den Tunnel erreichen zu können, der als Verbindung vom Abfertigungsgebäude zum für später geplanten Erweiterungsterminal vorgesehen war. Dieser Tunnel sollte im Rohbau gleichzeitig mit der Röhre für die Eisenbahn gebaut werden. Obwohl sich unter anderem auch die Lufthansa vehement für den sofortigen Bau des Tunnels eingesetzt hatte, verschob die Flughafengesellschaft die Arbeiten auf später. Die veranschlagten 80 Millionen Euro wollte sie dafür zunächst nicht aufbringen, weil der Tunnel erst mit dem Erweiterungsbau gebraucht werde. Die Lufthansa befürchtet, dass die Arbeiten auf dem Vorfeld später den Flugbetrieb erheblich stören könnten.

Man versucht, nur mit einem Turm auszukommen

Nach wie vor schließt die Flughafengesellschaft aber auch nicht aus, die Abfertigungsgebäude mit einer Brücke zu verbinden, deren Bau billiger wäre als ein Tunnel. Dies würde aber wiederum die Arbeit der Lotsen auf dem Turm erschweren, denen dann unter der Brücke der Blick auf die Flugzeuge verwehrt wäre. Hier müssten dann Kameras eingesetzt werden, sagte der Sprecher der Flugsicherung, Stefan Jaekel.

Dabei sei der Standort für den Tower so ausgesucht worden, dass die Lotsen von dort aus einen Überblick über den gesamten Flughafen haben. Damit kommt man mit nur einem Turm aus. In Paris dagegen seien auf dem Charles-de- Gaulle-Flughafen vier Türme erforderlich, sagte Jaekel.

Entspannungsräume wird es im Tower geben

In der Kanzel des Turms werden zunächst bis zu acht Lotsen gleichzeitig die Piloten leiten. Für jede der beiden Start- und Landebahnen sind gesonderte Arbeitsplätze vorgesehen. Die Voraussetzungen für die Lotsen seien damit ideal, schwärmt Jaekel. Insgesamt werde es rund 50 Lotsen geben. Nachwuchs sei willkommen, Azubis werden gesucht.

Weil der Flughafen in Schönefeld sich komplett ändert, müssen die Lotsen neu geschult werden. Das Training findet in der Zentrale in Langen statt, wo man den künftigen Flugbetrieb von BBI simulieren kann. Dabei haben die Lotsen auch schon Schwachpunkte in der Planung entdeckt, die dann geändert werden konnten.

Für die Pausen nach der anstrengenden Arbeit an den Kontrollgeräten gibt es für die Lotsen im Turm auch Entspannungs- und Sporträume. Nur der Weg zum Arbeitsplatz bleibt eben zumindest vorläufig beschwerlich. 

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