Berlin : Schönefeld boomt als Provisorium

Ein neues Airport-Terminal wurde eröffnet – ein Bau auf Zeit. Nun ist Platz für sieben Millionen Passagiere

Klaus Kurpjuweit

Das Aschenputtel unter den Berliner Flughäfen ist auf dem Weg, Königin zu werden. In Schönefeld hat die Flughafengesellschaft gestern mit dem Terminal D ein weiteres Abfertigungsgebäude eröffnet. Auf dem Flughafen, auf dem Mitte der 90er Jahre nur noch knapp zwei Millionen Passagiere gezählt wurden, können nun sieben Millionen Fluggäste pro Jahr abgefertigt werden. Der Neubau für zwölf Millionen Euro war dringend nötig, denn bereits in diesem Jahr werden fünf Millionen Passagiere erwartet.

Errichtet hat man einen Bau, der nur auf wenige Jahre angelegt ist. Mit dem Ausbau von Schönefeld zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) soll es bis zum Jahr 2011 einen völlig neuen Abfertigungskomplex geben. Die bisherigen Anlagen werden dann anders genutzt oder abgerissen.

Der Interimsbau sei ein Zeichen des Erfolgs, sagte gestern der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Seit Schönefeld zum Drehkreuz für Billigfluglinien ausgebaut wird, habe auch die Zahl der Touristen in Berlin erheblich zugenommen. Bereits in diesem Jahr gebe es 15 Millionen Übernachtungen. Mit dieser Zahl hatten die Planer nach Wowereits Angaben erst 2009/2010 gerechnet.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) lobte bei der Eröffnung des Terminals auch das Flughafenmanagement, dem es gelungen sei, Schönefeld aus dem Schattendasein zu führen. 2002 machte der Flughafen noch 32 Millionen Euro Verlust, Ende 2007 soll er nach Angaben von Flughafenchef Dieter Johannsen-Roth einen Gewinn abwerfen.

Hochgezogen wurde das Gebäude mit dem Flair einer Lagerhalle in nur sieben Monaten. Es gibt 18 Schalter und fünf Gates, von denen die Fluggäste mit Bussen zu den Maschinen gefahren werden. Drei Gepäckbänder sollen bei der Ausgabe der Koffer und Taschen die Wartezeiten verkürzen. Ein ähnlicher Erweiterungsbau soll im nächsten Jahr auch in Tegel entstehen, weil dort der Platz ebenfalls nicht mehr ausreicht.

Schwierig bleibt es für Fluggäste allerdings, sich in Schönefeld zu informieren. Spärlich sind die Hinweise in der neuen Halle auf den Standplatz der Taxis oder den Weg zum Bahnhof. Deutliche Hinweise, wie es nach Berlin geht, findet man gar nicht. Am Ende des Fußwegs zum Bahnhof, den die Flughafengesellschaft in diesem Jahr überdachen ließ, weist ein Schild den weiteren Weg zum Bahnhof so aus, dass er über die Straße führt. Das Überqueren ist aber verboten. Eine helfende Hand hat die richtige Route durch den Tunnel unter der Straße mit einem provisorischen Pfeil gekennzeichnet.

Dass Schönefeld viel schneller wächst als erwartet, zeigt der überdachte Weg. Er führt in einem Bogen zum alten Abfertigungsbereich – am neuen Terminal vorbei. Bei der Planung 2004 war der Bau von Terminal D noch nicht vorgesehen.

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