Schönefeld : Bürgerinitiative protestiert wieder

Die Wirtschaft kämpft für möglichst viele Flüge in den Nachtzeiten und besteht auf die Drehkreuzfunktion. Die Bürgerinitiative zieht über die B 96 nach Schönefeld zum Demonstrieren.

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Auf ein Neues. An diesem Sonnabend soll, wie am 23. Januar, am Flughafen Schönefeld gegen den Fluglärm demonstriert werden.Foto: dapd Foto: dapd
Auf ein Neues. An diesem Sonnabend soll, wie am 23. Januar, am Flughafen Schönefeld gegen den Fluglärm demonstriert werden.Foto:...Foto: dapd

BBI,Schönefeld,FlugroutenBerlin/Schönefeld – Der Flughafen polarisiert weiter: Wirtschaftsvertreter forderten am Freitag erneut, dass am künftigen Flughafen in Schönefeld auch in den sogenannten Randzeiten zwischen 22 Uhr und 0 Uhr sowie 5 Uhr und 6 Uhr geflogen werden darf. Zudem sollen parallele Starts möglich sein, die zu vom Genehmigungsantrag abweichenden Flugrouten führen. Dagegen wollen Anwohner am heutigen Sonnabend in Schönefeld demonstrieren. Sie fordern ein generelles Flugverbot zwischen 22 Uhr und 0 Uhr; zudem setzen sie sich dafür ein, dass es bei Geradeausflügen nach dem Start bleibt; was bei parallelen Starts nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich wäre. Die Veranstalter rechnen mit rund 10 000 Teilnehmern.

Bisher fanden die Protestaktionen der Bürgerinitiativen in Schönefeld auf dem Parkplatz vor dem Terminal statt. Um den Druck zu erhöhen, ziehen die Demonstranten – wie in der Vergangenheit bereits der Bürgerverein Brandenburg-Berlin – über die B 96. Dadurch kann von 15 Uhr bis 17 Uhr die Zu- und Abfahrt zum Flughafen mit dem Auto und den Linienbussen beeinträchtigt werden. Dies ergebe sich zwangsweise, sagte Matthias Schubert von der Initiative Kleinmachnow gegen Flugrouten, die die Demonstration organisiert, auch weil die Demonstranten zwei Mal die B 96 überqueren müssten. Die Polizei habe den Demonstrationszug auf die nördliche Fahrbahn verlegt, damit es zumindest für Rettungsfahrzeuge eine direkte Zufahrt zum Flughafen gebe. Eine gezielte Blockade sei nicht vorgesehen, sagte Schubert. Demonstriert wird immer vor einer Sitzung der Fluglärmkommission.

Diese tagt wieder am Montag. Dann soll die Flugsicherung bewertete Flugroutenvorschläge bekannt geben; jeweils mit der Zahl der betroffenen Anwohner. Zum ersten Mal werden auch Angaben zu den Landeanflügen erwartet, bei denen – wie bei den Starts – Routen über das Stadtgebiet führen könnten.

In die Routendiskussion wolle sich die Wirtschaft nicht einmischen, sagte am Freitag der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin, Jürgen Wittke. Dies sei Sache der Fluglärmkommission. Die Wirtschaft in Berlin und Brandenburg bestehe aber darauf, dass parallele Starts möglich sein müssen und dass auch in den Randzeiten so geflogen werden darf, wie es das Infrastrukturministerium genehmigt hat, sagte Christian Amsinck, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg. Demnach sind zwischen 22 Uhr und 0 Uhr sowie 5 Uhr und 6 Uhr durchschnittlich 77 Flüge erlaubt, in Spitzenzeiten können es aber auch 103 werden.

Gegen diese Regelungen laufen Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht. Anwohner wehren sich dort gegen die Nachtflüge, Air Berlin dagegen will mehr Flüge genehmigt bekommen. Eine Entscheidung des Gerichts wird im Sommer erwartet. Der amtierende Präsident der Industrie- und Handelskammer Cottbus, Klaus Aha, appellierte an die Richter, „die jetzt gefundene Lösung zu bestätigen.“ Das generelle Nachtflugverbot von 0 Uhr bis 5 Uhr trage die Wirtschaft mit. Zufrieden ist Amsinck, dass auch die Berliner CDU inzwischen Flüge in den Randzeiten erlauben will. Sie hatte zunächst ein Verbot von 22 Uhr bis 6 Uhr gefordert.

Der Unternehmensverband sowie die Industrie- und Handelskammern und die regionalen Handwerkskammern haben eine Resolution verfasst, in der sie fordern, Parallelstarts zuzulassen und auch die Randzeiten für Flüge zu nutzen. Über Flugrouten solle diskutiert werden, über den Flughafen dagegen nicht mehr.

Auf eine Drehkreuzfunktion des neuen Flughafens könne nicht verzichtet werden, argumentiert Amsinck. Derzeit liege der Anteil der Umsteiger bei lediglich 1,7 Prozent; in München seien es dagegen 36,3 Prozent und in Frankfurt (Main) sogar 50 Prozent. Durch den begonnenen Ausbau eines Drehkreuzes durch Air Berlin habe sich der Umsteigerverkehr 2010 in Berlin im vergangenen Jahr bereits auf 700 000 Passagiere verdoppelt, sagte Amsinck.

Auch Lufthansa plane einen größeren Umsteigerverkehr am neuen Flughafen, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) jetzt auf einer Tagesspiegel-Veranstaltung. Er hoffe, dass die jahrelange Zurückhaltung nun vorbei sei. Durch die neuen Gebühren ändere sich für Gesellschaften wie Air Berlin und Lufthansa nur wenig; lediglich für Billigfluglinien wie Easyjet sei ein „Sprung“ absehbar.

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