Berlin : Schönefeld-Express mit Verspätung

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Die Bahn hat für den Flughafen-Express nach Schönefeld die Signale intern auf Rot gestellt. Während der Flughafen nach der derzeitigen Planung Ende 2007/Anfang 2008 eröffnet werden soll, will die Bahn den Express-Zug vom Lehrter Bahnhof zum künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) erst „voraussichtlich“ vom Dezember 2009 an rollen lassen. So hat es jetzt der Vorstand beschlossen. Vor einem Jahr hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn noch versprochen: „Wenn der Flughafen da ist, wird auch die Bahn da sein“.

Der Beschluss des Vorstandes sei noch kein endgültiger Terminplan, sagte dazu Bahnsprecher Andreas Fuhrmann. Die Vorlage sei erforderlich gewesen, um Planungssicherheit für die Finanzierung zu erhalten. Das Geld für den Wiederaufbau der so genannten Dresdner Bahn durch Marienfelde und Lichtenrade ist für 2002 und 2003 freigegeben worden. Wann die Arbeiten beginnen, ist weiter ungewiss. Derzeit schmort der Antrag wie berichtet, unbearbeitet in der Stadtentwicklungsverwaltung.

Senator Peter Strieder (SPD) lehnt den von der Bahn vorgelegten Plan ab, die Gleise durch Lichtenrade ebenerdig anzulegen, so wie sie einst lagen. Gemeinsam mit Anwohnern fordert Strieder einen Tunnel, um den Ortsteil nicht zu trennen. Dies lehnte die Bahn bisher ab. Inzwischen sprach sich aber auch Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) für eine „stadtverträgliche Lösung“ aus, was auf einen Tunnel hinausläuft. Weil sich eine politische Lösung abzeichne, will der Senat das Verfahren mit den alten Pläne der Bahn nicht weiterführen, sondern auf die endgültige Lösung warten. Schon einmal hatte der Senat das Verfahren gut zwei Jahre lang ruhen lassen.

Bei einer ebenerdigen Lage der Gleise wäre der Aufbau nach Fuhrmanns Angaben jetzt trotzdem noch zeitgleich mit der Betriebsaufnahme des Flughafens zu schaffen. Der Tunnelbau würde länger dauern. Allerdings sei der neue Zeitplan keine Vorwegnahme einer solchen Entscheidung. Die Verspätung habe auf jeden Fall der Senat verursacht.

Bei der Bahn gibt es aber auch Überlegungen, auf den Wiederaufbau der Dresdner Bahn ganz zu verzichten. „Die Strecke rechnet sich nie und nimmer“, sagte ein Mitarbeiter. Sie ist als Zulaufstrecke für Fern- und Regionalzüge aus dem Dresdner Raum in den neuen Nord-Süd-Tunnel der Bahn konzipiert. Auf ihren Gleisen soll zudem der Airport-Express viertelstündlich den Lehrter Bahnhof in etwa 20 Minuten mit dem Flughafen verbinden. Ein Flughafen-Verkehr könnte, sagen Planer, aber auch wie heute weiter über die Stadtbahn laufen. Dann wäre auch das westliche Zentrum direkt mit dem Flughafen in Schönefeld verbunden. Durch eine geplante Verbindungskurve können diese Züge direkt im künftigen Abfertigungsgebäude halten.

So würden die Zubringer-Züge zunächst auch fahren, wenn die Dresdner Bahn zur Flughafen-Eröffnung nicht fertig sein sollte. Pläne, den Flughafen-Express über die Anhalter Bahn durch Lichterfelde zu schicken, die ebenfalls wiederaufgebaut wird, ließen sich nicht verwirklichen. Klaus Kurpjuweit

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