Schönefeld : Großflughafen BBI könnte später öffnen

Unverdrossen erklärt die Flughafengesellschaft, der neue BBI-Flughafen in Schönefeld werde Anfang November 2011 eröffnet. Doch zahlreiche Probleme sind vor dem Baubeginn des Terminals noch ungelöst. Während die Betreibergesellschaft am Starttermin festhält, glauben Fluggesellschaften schon lange nicht mehr daran.

Klaus Kurpjuweit
Werbeplakat BBI
Wie viel später startet der neue Großflughafen BBI? -Foto: dpa

Unverdrossen erklärt die Flughafengesellschaft, der neue BBI-Flughafen in Schönefeld werde Anfang November 2011 eröffnet. Intern glaube man daran aber schon lange nicht mehr, sagte der Deutschlandchef der Billigfluggesellschaft Easyjet, John Kohlsaat, jetzt dem Tagesspiegel. Easyjet ist der größte Kunde in Schönefeld. Längst werde als Termin hinter den Kulissen das Jahr 2012 genannt, sagte Kohlsaat. Er selbst rechne sogar damit, dass BBI erst 2013 startklar sein werde.

Die Planer schieben derzeit einen Berg von Problemen vor sich her, nicht nur, weil der bisherige Chefplaner Thomas Weyer zum Flughafen München wechselt. Um mit BBI termingerecht fertig zu werden, müssen die Rohbauarbeiten am neuen Terminal nach Angaben der Flughafengesellschaft spätestens im Sommer beginnen. Noch aber sind die Arbeiten für den Großauftrag gar nicht vergeben. Weil die ersten Angebote rund 400 Millionen Euro über dem Kostenansatz der Flughafengesellschaft lagen, wurde diese Ausschreibung im vergangenen Jahr gestoppt und neu gestartet. Ob jetzt der Bau für gut 600 Millionen Euro zu haben sein wird, wie es die Flughafenplaner erwarten, muss sich noch zeigen. Insider vermuten, dass auch bei der neuen Ausschreibung die Milliardengrenze für den Bau überschritten werden könnte.

Dabei ist die Finanzierung ohnehin noch nicht festgezurrt. Bereits zum Ende des vergangenen Jahres sollten die erforderlichen Bankenkredite in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro langfristig gesichert werden. Hier habe es, auch wegen der internationalen Bankenkrise, Verzögerungen gegeben, bestätigte ein Flughafensprecher. Die Finanzierung der laufenden Arbeiten sei trotzdem gesichert.

Zudem ist kurz vor dem geplanten Baustart des Terminals noch nicht geklärt, wie die Flächen auf die Fluggesellschaften aufgeteilt werden sollen. Hier gebe es bereits „Grabenkämpfe“, sagte Kohlsaat. Würden alle Wünsche der Gesellschaften nach Platz im neuen Terminal erfüllt, wäre die Kapazität bereits zur Eröffnung erschöpft, ergänzte Kohlsaat am Montagabend vor dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Bliebe es dabei, müsste die Flughafengesellschaft bereits jetzt mit dem ersten Erweiterungsterminal beginnen. Auf den Bau eines dann erforderlichen Verbindungstunnels vom Hauptterminal zum sogenannten Satelliten hat die Flughafengesellschaft aber bereits verzichtet, um Kosten zu sparen.

Erst im vergangenen Jahr hatten die Planer einen zusätzlichen Flügelbau an das Terminal angesetzt, der vor allem für Billigflieger gedacht war, bei denen die Passagiere zu Fuß zu den Maschinen gehen sollen. Auch Easyjet, das ursprünglich die alten Anlagen in Schönefeld weiter nutzen wollte, wird nun in den Neubau ziehen. Gestern nahm die Gesellschaft Flüge nach Thessaloniki auf; zwei weitere Strecken sollen im Sommer folgen. Nach Tagesspiegel-Informationen wollen andere Fluggesellschaften aber auch mehr Fluggast-Brücken als bisher vorgesehen für den direkten Weg von den Wartebereichen ins Flugzeug haben. 16 solcher „Finger“ waren bisher geplant; jetzt sollen es 24 werden.

Easyjet-Chef Kohlsaat warnte davor, auf dem BBI-Flughafen die nationalen Gesellschaften Lufthansa und Air Berlin zu bevorteilen. Der ausgewogene Mix zwischen dem höherpreisigen Linienverkehr, den Ferienfliegern und dem Low-Cost-Bereich, der Berlin heute auszeichne, müsse erhalten werden. Auch ein Nachtflugverbot von 22 Uhr an würde den BBI-Verkehr unwirtschaftlich machen, sagte Kohlsaat weiter.

Senatssprecher Richard Meng sagte, bisher sei man beim Flughafenausbau im Zeitplan, und man werde alles daran setzen, dass es dabei auch bleibe. Die Flughafengesellschaft war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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