Berlin : Schönefeld: Wieder Panne beim Flughafenbau

Ausschreibung für Terminal muss neu starten Nur ein Bewerber hatte die Bedingungen erfüllt

Klaus Kurpjuweit

Auch gut drei Monate nach dem ersten Spatenstich kommt der Ausbau des Flughafens Schönefeld nicht auf Touren. Jetzt muss die Flughafengesellschaft die Ausschreibung für den größten Einzelauftrag neu starten – den Bau des Terminals. Bereits in der Vorrunde war für das 500-Millionen-Euro-Projekt nur ein Bewerber übrig geblieben. Damit hätte es keinen Preiswettbewerb beim Bau gegeben. Zuvor hatte die Flughafengesellschaft bereits die Arbeiten an der künftigen nördlichen Startbahn nicht aufnehmen können, weil dort ein unterlegener Bewerber Einspruch gegen die Auftragsvergabe eingelegt hat. Trotzdem sei man weiter im Zeitplan, versichert Flughafensprecher Ralf Kunkel.

Bei der Ausschreibung hatte die Flughafengesellschaft nach Informationen des Tagesspiegels zu hohe Auflagen gemacht. Die Bewerber mussten nicht nur Erfahrungen im Bau von Fluggastterminals nachweisen. Sie müssen unter anderem auch bereits eine Gepäckförderanlage mit mindestens 5000 Gepäckstücken in der Stunde gebaut und Planungsleistungen für Projekte vergleichbaren Umfangs erstellt haben. Zudem wird ein mittlerer Jahresumsatz von zuletzt 400 Millionen Euro verlangt. Die Flughafengesellschaft will mit diesen Kriterien erreichen, dass das Unternehmen, das den Zuschlag erhält, den Bau auch wie geplant abschließen kann.

Dem Vernehmen nach haben unter diesen Bedingungen nur vier Unternehmen das Rennen aufgenommen. Übrig geblieben ist am Ende nur der Hochtief-Konzern. Das war für die Flughafengesellschaft doppelt misslich: Zum einen müsste sie den Preis von Hochtief akzeptieren, da es keinen weiteren Wettbewerber gibt. Andererseits hätte es zumindest einen Beigeschmack gehabt, wenn ausgerechnet der Konzern, der bei der versuchten Privatisierung der Flughafengesellschaft gescheitert war, den Auftrag ohne Konkurrenz erhalten hätte.

Jetzt beginnt die sogenannte Präqualifizierung für die Ausschreibung von vorne. Die Flughafengesellschaft schraubt ihre Anforderungen zurück und hofft, dadurch mehr Bewerber zu finden, unter denen sie dann den besten auswählen kann. Auch Hochtief will sich nach Tagesspiegel-Informationen wieder beteiligen.

Das Unternehmen hatte im Vorfeld versprochen, auch Aufträge nach Berlin und Brandenburg zu vergeben. 80 Prozent der Aufträge bei bisherigen Projekten seien in der Region geblieben, heißt es bei Hochtief. Weitere zehn Prozent seien in andere östliche Bundesländer gegangen. Die Ausschreibung für den Bau des Flughafen-Bahnhofs hat eine mittelständische Bietergemeinschaft aus Berlin unter Führung von Schälerbau gewonnen – unter anderem gegen Hochtief. Dieser Auftrag hat einen Wert von 112,5 Millionen Euro.

Die wegen des Einspruchs verschobenen Arbeiten an der Start- und Landebahn sollen nun im nächsten Jahr beginnen. Solche Verschiebungen im Zeitplan seien bei Großprojekten üblich und im Zeitplan einkalkuliert, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Der BBI-Flughafen werde daher wie geplant Ende 2011 eröffnen können.

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