Berlin : Schöner alter Mann

Johannes Heesters präsentierte seine Bildbiografie

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Als er das erste Mal in die Stadt kam, holte ihn niemand vom Bahnhof ab. „Ganz allein stand ich da mit meinem Koffer und hatte keine Ahnung wohin“, erinnert sich Johannes Heesters an seine erste Reise nach Berlin im Jahre 1936.

70 Jahre später war der Empfang dafür umso größer. Im Admiralspalast stellte der Schauspieler gestern zusammen mit Verleger Oliver Schwarzkopf und Ehefrau und Herausgeberin Simone Rethel-Heesters seinen neuen Bildband „Johannes Heesters – Ein Mensch und ein Jahrhundert“ vor. Dabei zeigte sich der gebürtige Holländer gewohnt agil und keineswegs schüchtern. Zweimal sorgte er durch Zwischenrufe für Ruhe bei den tuschelnden Fotografen und trug seine vielen Anekdoten mit schauspielerischer Verve vor.

In der Konversation konterte er schlagfertig. Auf ein Kompliment von Verleger Schwarzkopf hin, er wäre angesichts eines „so schönen jungen Mannes“ als Mädchen damals sicher dahingeschmolzen, erwiderte Heesters, der im Dezember seinen 103. Geburtstag feiert: „Und heute bin ich ein schöner alter Mann.“

Ihr sei es wichtig gewesen, kein reines Fanbuch zu machen, erklärte Rethel-Heesters. So erzählen die rund 1700 Fotos, die sie in mehr als dreijähriger „Detektivarbeit“ zusammentrug, nicht nur von der Karriere ihres Mannes, sondern indirekt auch immer die Geschichte von technischen Entwicklungen wie Telefon oder Automobil.

Auch historische Bezüge klammert das Buch nicht aus. Einerseits durch eine Zeitleiste, die politische und gesellschaftliche Ereignisse in Bezug zu Heesters Rollen und Auftritten setzt, andererseits anhand konkreter Beispiele. So behandelt ein Kapitel Heesters Besuch im KZ Dachau. Er hatte 1941 an einer Besichtigung teilgenommen und dies nie geleugnet.

Auch „on stage“ kann man Heesters demnächst wieder erleben: Er tritt am 20., 21. und 22. Dezember mit Katja Riemann in der Weihnachtsgala „Stars go Swing“ im Admiralspalast auf.

mho

Simone Rethel-Heesters, „Johannes Heesters – Ein Mensch und ein Jahrhundert“, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, ca. 1700 Abbildungen, 49,90 Euro

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