Berlin : Schöner flanieren

Tagesspiegel-Leser haben gewonnen: Einen Stadtspaziergang durch den Grunewald mit Führung

Ingo Bach

So etwas kann selbst einem bestens vorbereiteten Stadtführer passieren: Er steht vor einer verschlossenen Tür. „Manchmal funktionieren Abkürzungen eben leider nicht“, sagt Carl-Peter Steinmann. Er ist professioneller Stadtführer und hat für den Tagesspiegel zwei der acht Stadtspaziergänge konzipiert. Gestern führte er rund 30 Tagesspiegel-Lesern durch das wohlhabende Berlin, die Villengegend des Grunewaldes – und steht mit ihnen abrupt an dem verschlossenen Tor, das eigentlich aus dem Garten der Villa Harteneck führen sollte. Also laufen alle zurück zum Haupteingang des kleinen Parks, was aber der guten Laune der Flaneure keinen Abbruch tut. Warum auch, schließlich sind die Schönheit der Villa und die Romantik des Gartens mit den alten Rosen und dem Springbrunnen auch einen zweiten Blick wert. Und das Gläschen Begrüßungssekt im lauschigen Park tut ein übriges.

Nicht einmal das Wetter, das sich an diesem Sonnabend erstmal von seiner feuchtkühlen Seite zeigte, schaffte es, die Stimmung zu trüben. Fast alle Leserinnen und Leser, die diese erste von zwei geführten Touren gewonnen hatten, waren gekommen, um von Steinmann die Geschichten zu den aufwendigen Fassaden zu hören. Wer weiß schon, dass die Villen gerade deswegen so üppig ausfielen, weil der Grunewald Ende des 19. Jahrhunderts ein Steuerparadies war? Denn der bis zur Gründung des Villenviertels morastige, dunkle Kiefernforst gehörte damals noch zum Landkreis Teltow. Und der verlangte weniger Steuern als die Reichshauptstadt.

Solche und andere Geschichten haben Steinmann und die anderen Autoren unserer acht Stadtspaziergänge zusammengetragen. „Diese Touren sind eine hervorragende Idee“, lobt Aribert Kutschmar. Der Potsdamer organisiert manchmal selbst Stadttouren für die Volkshochschule und bedauert seinen Kollegen Steinmann, dass der sich bei seinen Erklärungen ständig zwischen Biographischem und Architektonischem entscheiden und deshalb auch einiges weglassen müsse. Und Gudrun Dahl aus München, die nur ein paar Tage zu Besuch in Berlin ist, wäre gar nicht auf die Idee gekommen, durch den Grunewald zu flanieren. Aber eine Berliner Freundin hat sich an der Tagesspiegel-Auslosung beteiligt und nahm die Münchnerin kurzentschlossen mit auf Tour. „Man sieht so die Seiten einer Stadt, für die man sich als Tourist normalerweise gar keine Zeit nimmt“, sagt Dahl. „Eine tolle Sache.“ Und Gabriele Bratka, die vor einem Jahr mit ihrem Arbeitgeber von Bonn nach Berlin wechselte, freut sich, dass durch die Stadtspaziergänge ihr Blick für die Fülle an Geschichten in Berlin geschärft werde. „Ich werde ganz sicher alle acht Touren ,abarbeiten‘.“

Alle Stadtspaziergänge auch im Internet unter www.tagesspiegel.de /stadtspaziergang. Und die Karten für alle acht Touren gibt’s im Set zu kaufen: für 6,50 Euro im Tagesspiegel-Shop an der Potsdamer Straße 81-83.

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