Berlin : Schöner Hof – miserable Akustik

Im umgebauten Zeughaus können unter dem neuen Glasdach des Schlüterhofes keine Veranstaltungen stattfinden

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Schock für die Mitarbeiter des Deutschen Historischen Museums im Zeughaus Unter den Linden. Unter dem neuen Glasdach, das den Schlüterhof überspannt, ist die Akustik so schlecht, dass dort keine Veranstaltungen stattfinden können. Jetzt wird noch vor der Eröffnung eine Lösung gesucht.

Kühn wölbt sich das neue Glasdach, entworfen vom Architekten Ieoh Ming Pei, über den Schlüterhof des Zeughauses – als gelungene Kombination moderner Technik mit einem klassischen Bau. Das Deutsche Historische Museum, das den Umbau unter den Linden im Frühjahr beendet haben will, setzt große Erwartungen in den hellen großen Hof, will ihn nicht nur als Durchgang, sondern auch für Veranstaltungen nutzen. „Hier entsteht einer der schönsten Hinterhöfe Berlins“, schwärmte unterm Glasdach Florian Mausbach, der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, das für den Umbau verantwortlich ist. Seine Worte waren aber von flatterndem Hall untermalt und demonstrierten die Schwäche des Umbaus: Die Akustik des Hofes, der für fünf Millionen Euro neu gestaltet wird, ist miserabel.

Museumssprecherin Angelika Wachs sprach von einem Schock nach ersten Hörproben. Der Hof sei zwar nicht als Ausstellungsfläche vorgesehen, solle aber künftig als repräsentativer Platz genutzt werden können, etwa für Empfänge oder Ausstellungseröffnungen. Aber im derzeitigen Zustand sei im Hof eine Verständigung unvorstellbar.

„Auch wir waren überrascht“, sagte Florian Mausbach. Man hätte von Akustikern vorgewarnt werden müssen. Andererseits sei der Hof aus Kostengründen vom Bundesfinanzministeriums lediglich als überdachte Verkehrsfläche, nicht als Veranstaltungsraum konzipiert worden. Außerdem hätten strenge Auflagen des Denkmalschutzes beachtet werden müssen. Den Architekten treffe keine Schuld. Man sei aber noch nicht fertig mit dem Bau, wolle in den nächsten Monaten mit dem Museum nach Lösungen suchen, denn die Sehnsucht nach Veranstaltungen in dieser schönen Halle sei verständlicherweise groß.

Denkbar sei beispielsweise, bei Veranstaltungen Teppichböden auszurollen und unter dem Dach Schallsegel anzubringen, sagte Mausbach. Auch schallschluckendes Mobiliar sei möglich. Man habe noch hinreichend Zeit zu experimentieren. Auch das Büro Pei ließ wissen, es denke über nicht sichtbare Akustik-Maßnahmen nach. Ursprünglich hatte der Architekt auch Bäume in der Halle vorgesehen, die den Schall gestreut hätten. Aber die Bäume gefielen dem Denkmalschutz nicht. Christian van Lessen

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