Berlin : Schöner shoppen

Schönhauser Allee Arcaden werden nach zehn Jahren umgestaltet Ein Drittel der Ladenmieter ist ausgezogen. Vielen ist die Miete zu teuer

Werner Kurzlechner
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Neuer Anstrich. In den Schönhauser Allee Arcaden wird derzeit mächtig umgebaut. Bis Juni soll alles fertig sein. Foto: Thilo...

Wer in den Schönhauser Allee Arcaden shoppen geht, steht derzeit vor vielen mit Pappe zugeklebten Schaufenstern. Es vollzieht sich ein Umbruch – und das liegt daran, dass es das Einkaufszentrum im Herzen des Prenzlauer Bergs seit genau zehn Jahren gibt. Deshalb ist ein guter Teil der seinerzeit abgeschlossenen, auf eine Dekade befristeten Mietverträge Ende März ausgelaufen und ein geballter Mieterwechsel im Gange. Insgesamt 80 Händler gebe es in den Arcaden, 53 Verträge seien jetzt ausgelaufen, sagt Andreas Keil, Berlin-Chef der Immobilien-Firma mfi aus Essen, die in Berlin außerdem die Einkaufszentren in Spandau, Wilmersdorf und Neukölln betreibt. 25 der betroffenen Händler hätten verlängert, würden aber teilweise innerhalb der Arcaden mit 24 000 Quadratmetern Nutzfläche umziehen.

Knapp 30 angestammte Läden sind also nach einem Jahrzehnt nicht mehr da. Im Umfeld der Schönhauser nimmt man dies nicht ohne Kritik zur Kenntnis. Die Stammläden seien verdrängt worden, ist von Händlern im Kiez zu hören. Die erhöhten Mieten hätten sie ebenso überfordert wie die Verpflichtung durch die Arcaden-Betreiber, für eine komplett neue Einrichtung zu sorgen. Von Vertreibung kann laut Keil nicht die Rede sein: „Die bisherigen Mieter haben uns seinerzeit großes Vertrauen entgegengebracht, deshalb haben wir zuerst das Gespräch mit ihnen gesucht“, so Keil. „Dass nach zehn Jahren ein neuer Laden gebaut werden muss, ist in unserer Branche ganz normal.“

Die Gründe für den Auszug seien vielfältig, so Keil. Einigen Pächtern sei die „heute marktgerechte“ Miete zu hoch erschienen, aber es habe auch gänzlich anders gelagerte Fälle gegeben. So habe sich etwa die Inhaberin des Schreibwarengeschäftes zur Ruhe setzen wollen. Für einen Geschenkartikelladen habe sich das Geschäft am Standort nicht mehr gelohnt. Mit einem Foto-Shop hat mfi nicht verlängert, weil das Mutterunternehmen vor einiger Zeit Insolvenz angemeldet hat. Dann gab es noch ein Lokal, dessen hygienische Zustände das Pankower Bezirksamt auf seiner Ekelliste im Internet angeprangert hat. „Diesen Gastronomen wollten wir nicht mehr“, sagt Keil.

Für die Auswahl der Neumieter gibt es in den Arcaden eine klare Marschroute. Mit Prenzlauer Berg geht es seit Jahren aufwärts, also sollen gehobenere Ansprüche erfüllt werden. „Wir wollen die Verweildauer erhöhen, hochwertigere Gastronomie und mehr Markenware anbieten“, sagt Bereichsleiter Keil. So eröffnen Modelabels wie Jack Wolfskin, s.Oliver und Marco Polo Filialen in den Arcaden, italienische Restaurants ziehen ebenso ein wie ein Bio-Markt. Im Juni sollen sämtliche Umbauten abgeschlossen sein.

Im Kiez löst die Entwicklung ein gemischtes Echo aus. Ein Kioskbesitzer aus der Umgebung fürchtet um seine Existenz, weil im bisherigen Arcaden-Supermarkt die Filiale eines großen Presse-, Tabak- und Lottohändlers einzieht. „Die Ketten machen alles platt“, so der Ladenbesitzer. Keil hält entgegen, dass der Anteil an selbstständigen, kleinen Einzelhändlern weiterhin bei zehn bis 15 Prozent liege.

„Ein bisschen Abwechslung schadet dem Umfeld nicht“, findet Sascha Hilliger, Vorsitzender des Vereins Pro Prenzlauer Berg. Er könne sich noch gut an die Unkenrufe vor der Eröffnung der Arcaden erinnern. Aber letztlich habe das Einkaufs-Center die Schönhauser belebt und auch dem eingesessenen Handel neue Kunden beschert. „In den 90er Jahren war es dort ja einfach nur gruselig“, so Hilliger. „Wenn jetzt mehr Leute mit etwas Geld im Portemonnaie hier schlendern, kann das für uns ja nur gut sein“, meint Doreen Persche, die an der Schönhauser Allee das Hutgeschäft Kleemann-Hüte führt – außerhalb des Centers. Im Tagesschnitt strömten derzeit zwischen 25 000 und 30 000 Kunden in die Arcaden, so Bereichsleiter Keil. Werner Kurzlechner

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