Berlin : Schöner wohnen

von
Faszinierendes Geschäft. Inventux-Chef Roland Sillmann begutachtet eine Solarzelle. Foto: Paul Zinken
Faszinierendes Geschäft. Inventux-Chef Roland Sillmann begutachtet eine Solarzelle. Foto: Paul Zinken

Wenn es nach Roland Sillmann ginge, würden die Dächer der Marzahner Plattenbauten mit Solarzellen bestückt. „Das wäre eine schöne Idee“, sagt der Vorstandssprecher der Inventux Technologies AG und lacht. „Dann könnte man vom Flugzeug aus nicht nur unser Gebäude sehen, sondern auch noch unsere Produkte.“ An der Wolfener Straße, im Norden Marzahns, liegt die Zentrale des 2007 von Sillmann und drei Kollegen in Bielefeld gegründeten Solarunternehmens, in dem inzwischen 270 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Hier passt einfach alles“, sagt Sillmann über den Standort.

Warum entscheiden sich die Gründer eines innovativen Solarunternehmens aus Bielefeld dafür, ihre Firma hier aufzubauen? „Durch die Hochschulen gibt es in Berlin genügend potentielle Mitarbeiter; Fachkräfte sind besser verfügbar als anderswo.“ Vielleicht ist die Standortwahl auch der Tatsache zu verdanken, dass im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf ganz offensichtlich eine gute Zusammenarbeit stattfindet zwischen der linken Bürgermeisterin Dagmar Pohle und dem CDU-Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff. Denn außer der guten Infrastruktur und dem leer stehenden Gebäude, das Inventux nach einer Renovierungsphase 2008 beziehen konnte, streicht Sillmann vor allem eines heraus: die Unterstützung durch den Bezirk. Alle Anträge seien sofort bearbeitet, Genehmigungen rasch erteilt worden. „Die Zusammenarbeit ist unbürokratisch und absolut verlässlich“, sagt der 40-Jährige.

Bei Inventux arbeiten 270 Mitarbeiter, viele kommen aus dem Ausland, aber auch viele aus der direkten Umgebung haben hier Arbeit gefunden. Vorstandssprecher Sillmann selbst wohnt nicht im Bezirk, er ist nach Niederschönhausen gezogen, von wo aus er mit Auto, Bus oder Fahrrad an die Wolfener Straße pendelt. Wie er Marzahn wahrnimmt? „Der Bezirk ist viel besser als sein Ruf“, sagt Sillmann. Die Inventux-Mitarbeiter, die hier leben, fühlten sich wohl. Sillmann schaut sich um in Marzahn, neulich war er privat in den „Gärten der Welt“ und hatte mit seinem Sohn Spaß im Labyrinth aus 1100 Eiben. „Da wird extrem viel für Kinder angeboten, das ist wirklich toll.“

Weil die Inventux-Gründer so zufrieden sind mit ihrem Standort im Berliner Osten, „wollen wir dem Bezirk auch etwas zurückgeben“, sagt Sillmann. Vertreter des Unternehmens knüpfen Kontakte zu den örtlichen Schulen, am Girls Day haben Schülerinnen aus dem Bezirk in den Betrieb hineingeschnuppert, und jedes Jahr stellt Inventux drei Auszubildende in Verwaltung und Produktion ein. Verläuft alles nach Plan, wird es dabei nicht bleiben. Denn im Hinterkopf hat Sillmann schon Pläne für eine mögliche Expansion. Das Firmengelände und die Umgebung eignen sich dafür – noch ein Pluspunkt für den Standort im Norden Marzahns. „Das ist ein großer Vorteil, dass es hier so große Flächen gibt.“ Das finde man an anderen Berliner Standorten kaum.

Welche Standortvorteile Marzahn bietet, spricht sich offenbar herum in der bundesweiten Solarbranche. Er kenne einige Firmen, die über einen Zuzug nach Ostberlin nachdenken, sagt Sillmann – ohne Namen preiszugeben. Die Ansiedlung weiterer junger Solarunternehmen passt in die Pläne von Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff. Im Gewerbegebiet „Berlin eastside“ – dem größten innerstädtischen Gewerbe- und Industriegebiet, das Marzahn-Hellersdorf gemeinsam mit Lichtenberg verwaltet – will er bis 2012 ein ganz neues Industriegebiet entstehen lassen: den „CleanTech Business Park“, der zu einem Zentrum der Solarenergie werden soll.

Die Pläne sind auch bei Inventux nicht zu übersehen. Im Foyer liegen schon grüne Kissen mit dem Aufdruck „CleanTech Park“ auf den schwarzen Sesseln – und selbstredend ist Sillmann begeistert von dem Vorhaben. „Das ist schon eine gute Aktion, die der Bezirk da startet“, sagt er. Inventux jedenfalls ist schon mal da. Barbara Kerbel

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben