Berlin : Schönes altes Schloss in Niederschönhausen

Einst residierte hier Königin Elisabeth Christine Heute beginnt die Sanierung des Gebäudes

Lothar Heinke

Es ist der Beginn einer Wiederauferstehung: Heute Vormittag wird vor dem einstigen Königinnenschloss in Niederschönhausen feierlich ein Bauschild enthüllt und damit das Signal für den Beginn der Sanierungsarbeiten gegeben. 2009 soll der einstige Wohnsitz von Königin Elisabeth Christine, der Gattin Friedrichs II., in alter Pracht und Schönheit erstrahlen und als Schlossmuseum Schönhausen für jedermann zugänglich sein. Als 38. Perle in der Kette der Museumsschlösser in Berlin und Brandenburg.

Nach jahrelangem Hin und Her darüber, wer für die Zukunft dieses Architekturdenkmals des Barock und Rokoko zuständig ist, „sind wir nun sehr froh, dass es dort ist, wo es hingehört – bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten“, sagt Bezirksbürgermeister Burkhard Kleinert. Die Kosten der Sanierung werden mit 8,6 Millionen Euro veranschlagt. Einen Betrag in Millionenhöhe steuern die Mäzenin Ruth Cornelsen und ihre Kulturstiftung bei, 3,5 Millionen Euro kommen aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. Im September wird der Bauzaun errichtet, im Oktober das Fassadengerüst. Während der Sanierung vom Keller bis zum Dach bleibt der idyllische Schlosspark mit seinen uralten Platanen, weiträumigen Wiesen, mit Eichen und Linden für Spaziergänger geöffnet.

Die Anfänge des Schlosses reichen bis 1663 zurück. Damals wurde im Dorf Niederschönhausen ein kleines Herrenhaus errichtet, 1691 erwarb Kurfürst Friedrich III. das Anwesen, danach begann Baumeister Nehring mit dem Ausbau des Gebäudes zum Sommersitz, den Eosander von Göthe 1704 fortsetzte. Von 1740 bis 1779 war das Schloss der Wohnsitz von Elisabeth Christine, der Gemahlin Friedrich II. Um 1830 gestaltete Peter Joseph Lenné den Park. Im 19. Jahrhundert war das Schloss der Sommersitz der Herzogin Friderike von Cumberland, 1918 ging es in preußischen Staatsbesitz über. In den dreißiger Jahren gab es in dem Gebäude mit seinem durch drei Stockwerke frei schwingenden Treppenhaus Ausstellungen, von 1949 bis 1960 war Schloss Niederschönhausen der Amtssitz des DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. Hier wurde die erste DDR-Regierung vereidigt, im hohen, reich geschmückten Festsaal konstituierte sich am 12. September 1960 der Staatsrat unter Vorsitz von Walter Ulbricht. 1965 wurde das grau-braun verputzte Schloss Gästehaus der Regierung der DDR, noch heute sind im weitläufigen Garten viele Überbleibsel aus dieser Zeit: Ein Pavillon, ein Brunnen, Kugelleuchten, wie sie später im Palast der Republik hingen, Bronze-Plastiken und zwei Mauern mit längst außer Betrieb gesetzten Scheinwerfern.

Im hohen Gebüsch stehen noch die Bänke, auf denen einst illustre Staatsgäste gesessen haben mögen: Nikita Chruschtschow, Juri Gagarin, Indira Gandhi, Fidel Castro, zuletzt Königin Beatrix und Michail Gorbatschow bei seinem Besuch zum 40. Jahrestag der kurz vor dem Untergang stehenden DDR. Nach der Wende konnte man bei Führungen die ziemlich bescheidenen Wohn- und Schlafgemächer der Promis bestaunen. Nun wird alles neu und schön – auf Wiedersehen in drei Jahren.

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