Schönheit und Politik : Immer schön der Nase nach

Was Deutschlands bekanntester Schönheitschirurg Werner Mang mit Berliner Politikern machen würde und warum er über Merkelbäckchen lieber nicht mehr spricht.

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Er hat jede Menge Ideen - ohne Schmerz sind aber kaum Resultate zu haben: Schönheitschirurg Werner Mang.
Er hat jede Menge Ideen - ohne Schmerz sind aber kaum Resultate zu haben: Schönheitschirurg Werner Mang.Foto: dpa

Das Thema der Pressekonferenz am Donnerstagmorgen heißt „Nasenkorrektur nach der Mang-Schule“, aber nach einem kleinen Exkurs über Höcker-, Lang- und Sattelnasen schweift der Referent brustwärts ab. Professor Werner Mang, den Fachmedien von „Bunte“ über „Bild“ bis zu RTL II zum berühmtesten Schönheitschirurgen des Landes gemacht haben, spricht über Billig-OPs – zwei Badeschwämme für 300 Euro – und seinen Qualitätsanspruch: „Der neue Freund sollte beim Tasten nicht merken, dass Implantate drin sind.“ Aufs Thema gebracht hat ihn zum einen das Foto einer Schauspielerin in der „Bild“, deren linke Brust beim Tuning tiefer gelegt wurde als die rechte. Zum anderen hatte ein Reporter vom Luftfahrtmagazin „Roger“ nach dem Risiko verdrehter Brustwarzen gefragt. Wenn vorher gar nichts da ist oder arg viel, drohe Asymmetrie, hat Mang ihm geantwortet.

Eigentlich ist der Luftfahrtkollege aber wegen des zweiten Programmpunktes in die Meoclinic für Privatpatienten an der Friedrichstraße gekommen: der Rundflug über die Flughafenbaustelle in Schönefeld. Den Helikopter stellt der Verein KBA, der im ländlichen Schleswig-Holstein den Mangel an Notärzten durch das fliegende Taxi lindert. Dafür erhält der Verein Ende September in Köln den „Health Media Award“ für hervorragende Gesundheitskommunikation. Mang soll ebenfalls einen solchen Preis erhalten, dessen Namen er ständig vergisst. Für sein Lebenswerk.

Während draußen der Shuttlebus naht, präsentiert Mang noch eine Studie zur Eitelkeit von Männern in Deutschland und Europa: Es gibt jeweils einen deutlichen Anstieg von Nord nach Süd. „Berlin ist schönheitschirurgisch noch im Dornröschenschlaf“, sagt Mang. In München liefen die Geschäfte besser. Mangs Stammsitz befindet sich im äußersten Süden Deutschlands, in Lindau am Bodensee.

Die Fahrt zum Flughafen führt an Wahlplakaten vorbei. „Perfekt“ findet Mang die von Klaus Wowereit. Dem hätte man mit mehr Vorlauf ein paar Fältchen glätten können, aber er werde die Wahl auch so gewinnen. Renate Künasts Plakate findet Mang unehrlich: Falten wegretuschiert, Gesicht geglättet, Brauen freundlicher gezogen. Das könnte er auch, sagt Mang und beklagt die „Doppelmoral“ von Politikern, die ihre Fotos operieren lassen, aber nicht sich selbst. Zu Frank Henkel hat er keine Meinung, und zu Angela Merkel mag er seit einem bösen Brief aus dem Kanzleramt nichts mehr sagen. Also muss es sein Berliner Chefarzt Klaus Plogmeier machen. Der erzählt, „Merkelbäckchen“ entwickle sich in der Branche allmählich zum Standardbegriff.

Der Rundflug geht dann aus organisatorischen Gründen nicht über Schönefeld, sondern über Schönhagen im Fläming. Mang bleibt in der Flieger-Lounge. Dort ruft ihn der Jurypräsident an, wegen der Laudatio. „Wenn man in seinem Beruf alles erreicht hat, herrschen Neid und Missgunst“, sagt Mang ins Telefon. Weiteres stehe in seinem neuen Buch. Es heißt: „Verlogene Schönheit“.

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