• Schon der Anblick eines Busses könnte Angst machen Psychologen: Geiseln sollten professionelle Hilfe suchen

Berlin : Schon der Anblick eines Busses könnte Angst machen Psychologen: Geiseln sollten professionelle Hilfe suchen

Ingo Bach

Die Geiselhaft im BVG-Bus war eine extreme Belastung für die Opfer. Der vollkommene Kontrollverlust, die Unfähigkeit, dem quälenden Fluchtinstinkt nachgeben zu können, kann zu einem Trauma führen, mit dem viele Betroffene nur sehr schwer fertig werden. Manchmal schlägt die Angst erst Stunden später zu. Zunächst lenkt der Stress in einer solchen Extrem-Situation von der Panik ab. Erst zwölf bis 36 Stunden nach der Befreiung werde vielen Geiseln so richtig bewusst, in welcher Gefahr sie schwebten, sagt Klaus-Jürgen Nordmeyer, Vorsitzender des Berufsverbandes Berliner Nervenärzte. Und dann beginnen unter Umständen erst die Probleme: Die Betroffenen nehmen die Umwelt nur noch eingeschränkt wahr, kapseln sich ab. Schlafstörungen, innere Unruhe, die sich bis zur Überaktivität steigern kann, halten die Opfer auch dann noch in Atem, wenn das Drama längst vorbei ist.

Spätestens dann sollte professionelle Hilfe gesucht werden, rät Nordmeyer. Sonst kann aus der Angst schnell eine psychische Störung werden. Die Betroffenen leiden dann unter so genannten Flashbacks, schlagartig wiederkehrende Erinnerungsfetzen an die Geiselnahme, die entweder als Albtraum oder sogar als real empfundene Tagträume kommen. „Oft reicht schon das Parfum aus, das einem in die Nase stieg oder der Anblick eines BVG-Busses, um das Erlebte wieder hochzuspülen“, sagt Sophie Harms, Psychologin an der Charité.

Häufig hören Psychologen davon, dass sich Geiseln mit ihren Kidnappern identifizieren. „Es ist möglich, dass die Geiseln dann die Befreiung durch die Polizei mehr fürchten als den Gangster“, sagt Harms. Das hänge vom Auftreten des Täters ab. Je bedrohlicher er sich gebe, desto mehr werden die Geiseln die Polizei herbeiwünschen.

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