Berlin : Schon gebucht bis 2014

Das ICC ist gefragt – und ein Wirtschaftsfaktor Seine Gäste gaben 1,3 Milliarden Euro in Berlin aus

Matthias Oloew

Der Architekt des ICC ist überzeugt: Mit dem Abriss, den der Senat spätestens im Januar beschließen will, verlöre die Stadt ein einmaliges Kongresszentrum. „Das ist absurd“, sagt Ralf Schüler und verweist auf die Auszeichnung für das ICC. Erst vor einem Jahr ist es zum weltweit besten Kongresszentrum gewählt worden. Ausschlaggebend dafür waren die Bewertungen von 230 000 Fachleuten aus der Tourismuswirtschaft weltweit. Für Schüler ist damit bewiesen: Das ICC ist zeitgemäß.

Mehr als 14 000 Veranstaltungen haben dort stattgefunden mit rund zehn Millionen Besuchern insgesamt – allein 5,2 Millionen davon anlässlich von Kongressen. Das ICC hatte damit eine durchschnittliche Auslastung von 72 Prozent. Bis 2014 ist das Haus bereits jetzt für 250 Kongresse gebucht. Im April 2003 hat die Messegesellschaft ausgerechnet, dass allein durch die auswärtigen Kongressteilnehmer 1,3 Milliarden Euro an Kaufkraft in die Stadt geflossen sind. Trotzdem ist das ICC nicht wirtschaftlich zu betreiben. Architekt Schüler wundert das nicht: „Das war immer klar. In Senatsvorlagen der 70er Jahre wurde festgehalten, dass dieses Haus Zuschüsse braucht.“ Zwischen sieben und acht Millionen Euro muss die Messegesellschaft jährlich zuschießen, eine Summe, die der Senat nicht ausgleicht.

Auch die besondere Konstruktion des Hauses mache das ICC einmalig, so Schüler. Eingezwängt zwischen Stadtautobahn und Messedamm, galt das Grundstück eigentlich als unbebaubar. Die Architekten entwarfen ein besonderes Fundament, das auf 26 gewaltigen Stahlbetonstützen ruht. Die Aluminiumhaut umschließt das eigentliche Gebäude. Dieses Haus-in-Haus-Prinzip wird noch durch die riesigen Lager aus Neopren unterstützt, auf denen der gesamte Bau aufliegt. Die Folge: Vom Schall außerhalb ist drinnen nichts zu hören.

Die einzigartige Konstruktion und die Lage des ICC machen auch einen eventuellen Abriss enorm teuer. „Dieses Haus ist nicht mit einer Sprengung zu beseitigen“, sagt Uwe Hameyer, Vorstandsmitglied des Architekten- und Ingenieurvereins (AIV). Die Konstruktion, die sogar Autobahnzubringer überspannt, wäre nur Stück für Stück abzutragen, in ähnlicher Weise soll auch der Palast der Republik abgetragen werden. In den Gutachten, die von der Messegesellschaft und dem Senat beauftragt worden sind, werden die Abrisskosten mit rund 30 Millionen Euro veranschlagt. „Viel zu wenig“, glaubt Hameyer.

Zusammen mit seiner Frau Ursulina hat Ralf Schüler die Pläne gezeichnet, den Bau überwacht. Dass das 1979 eröffnete ICC einmal Geschichte sein könnte, mögen sich die beiden nicht vorstellen. Sie wollen kämpfen und pochen auf ihr Urheberrecht. Das sichert ihnen weitgehende Rechte. „Selbst für den Abriss, den wir nicht wollen, müsste der Senat uns beauftragen“, so Schüler.

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