Berlin : Schon wieder ein Geldtransporter ausgeraubt

Jörn Hasselmann

Vier teilweise mit Maschinenpistolen bewaffnete Täter haben am Freitagabend einen Geldtransporter in Spandau überfallen und etwa eine halbe Million Euro geraubt. Kurz nach 20 Uhr stoppten die Männer das gepanzerte Fahrzeug mit zwei quer gestellten Autos; der Tatort liegt direkt an der Stadtgrenze am Seegefelder Weg. Sofort eröffneten die Täter aus dem vorderen Fahrzeug, einem VW-Transporter, das Feuer mit gezielten Schüssen in die Front des Geldtransporters. Derart eingeschüchtert, öffneten die beiden Sicherheitsleute der Firma Euro Security ihr Fahrzeug und reichten die Geldsäcke heraus. Das Quartett flüchtete mit ihrer Beute in Richtung Falkensee, dort wechselten sie das Fluchtfahrzeug. Die Versicherung des Unternehmens hat gestern 40 000 Euro für die Wiederbeschaffung des Geldes ausgesetzt.

Von den Tätern gibt es trotz vieler Zeugen wenig Angaben. Alle vier sollen etwa 1,80 Meter groß sein, alle waren dunkel gekleidet und mit schwarzen Sturmhauben maskiert. Zwei sollen mit Faustfeuerwaffen, die beiden anderen mit Maschinenpistolen oder sogar Maschinengewehren bewaffnet gewesen sein. Beide bei dem Überfall verwendeten Autos - ein hellblauer VW-Transporter und ein Opel Kadett E älteren Baujahrs in Dunkelrot-Metallic - waren am 9. Januar in Pankow entwendet worden, und zwar in nahe beieinander liegenden Straßen. "Alle Zeugen haben nur mehrere Männer gesehen, die mit Waffen rumfuchtelten", beschreibt Kriminaloberrat Manfred Schmandra das Geschehen. Mehrere Fahrer wendeten ihre Autos, als sie sich dem Tatort näherten, und fuhren davon.

Der kaltblütige Überfall hat deutliche Parallelen zu dem Überfall am 7. Dezember, der wenige hundert Meter entfernt in derselben Straße auf Falkenseer Gebiet stattfand, ebenfalls an einem Freitagabend auf dasselbe Unternehmen. Auch bei diesem Überfall wurde geschossen, die Täter entkamen mit einer Millionenbeute. Bis heute fehlt von ihnen jede Spur. Die "Mache" unterschied sich bei beiden Überfällen nur unwesentlich, sagt Schmandra. Im Dezember stoppten die Täter den Panzerwagen, indem sie ihn rammten. Das Tatfahrzeug war bei diesem Überfall fünf Wochen vorher gestohlen worden - dies gilt wegen des Entdeckungsrisikos als unprofessionell.

Trotz aller Parallelen müssen es nicht dieselben Männer sein. "Das können sich Nachahmungstäter auch abgeguckt haben", sagt Inspektionsleiter Schmandra. "Denn die Route ist immer die gleiche und die Uhrzeit auch." Und der Freitag biete sich als Tattag an, weil Supermärkte an diesem Tag mehr einnehmen. Beide Überfälle seien gut ausbaldowert gewesen: Die Fahrzeuge waren jeweils am Ende ihrer Tour und deshalb gut gefüllt. Üblich bei derartigen Tätern sei auch die massive Bewaffnung. Die Fahrer der Werttransporter haben die Anweisung, auszusteigen und das Geld zu übergeben. Da viele Fahrzeuge aus Kostengründen nicht vollständig gepanzert seien, könnten Täter schon mit Schüssen aus einer Maschinenpistole Blech und Scheiben durchschlagen.

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