Berlin : Schon wieder Fäkalkeime im Trinkwasser Tierkadaver könnten

die Ursache sein

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Potsdam - Keine Entwarnung für 10000 Babelsberger: Trotz umfangreicher Maßnahmen der Stadtwerke Potsdam sind erneut Fäkal-Keime im Trinkwasser nachgewiesen worden. „Die Verunreinigungen treten jedoch punktuell und nur in geringem Umfang auf“, sagte Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz. Zugleich kommt das Versorgungsunternehmen bei der Ursachenforschung voran: Es könnten Tierkadaver gewesen sein, die einem Hochbehälter auf dem Brauhausberg gefunden wurden. „Wir hoffen, dass mit der Beseitigung der Tiere der Fall erledigt ist“, sagte Amtsärztin Karola Linke.

Seit Mittwoch müssen die Babelsberger ihr Wasser abkochen. Die am Sonnabend veröffentlichen Werte erneuter Proben „sind zwar besser, aber wir wollen die Empfehlung noch nicht aufheben“, sagte die Chefin des Gesundheitsamtes, Anke Latacz-Blume. Klotz zufolge können die Fäkal-Keime nur von außen in die Rohre gelangt sein. Als wahrscheinlich galt bislang, dass durch Starkregen Reste von Exkrementen in das Wasser gespült wurden. Zudem wird derzeit an den Leitungen in Babelsberg gebaut, was das Risiko von Verunreinigungen noch erhöht.

Ins Visier genommen haben die Experten den Hochbehälter auf der Brauhausberg, der Trinkwasser in das Babelsberger Gebiet einspeist und wo Bauarbeiten stattfinden. Bei der letzten Probe der Behälter Mitte Juni gab es keine Probleme. Auch bei den Proben am Wasserwerk, das den Behälter speist, fanden die Stadtwerke Anfang Juli keine Keime. Allerdings wird von den zwei Kammern des Hochbehälters einer saniert und ist trockengelegt. Die andere wurde am Mittwoch vorsorglich vom Netz genommen und entleert. Die Transportleitung, die vom Hochbehälter nach Babelsberg führt, wurde gespült. Weitere Proben waren seither unauffällig.

Am Freitag fanden Mitarbeiter der Stadtwerke in der entleerten Kammer des Behälters die vier toten Kleintiere – drei Mäuse und einen Maulwurf. Weil bei den regelmäßigen Checks der Kammern keine Schäden festgestellt worden waren, prüfen die Stadtwerke jetzt, ob und wie im Zuge der Bauarbeiten in einer Kammer Kadaver oder Fäkalien in die zweite Kammer gelangt sein könnten.

Am Wochenende wird das Leitungsnetz in Babelsberg weiter gespült, um die Keime los zu werden. Das Gesundheitsamt rät den Menschen in dem betroffenen Gebiet weiter, Leitungswasser zum Trinken, Kochen und zum Zähneputzen drei Minuten lang abzukochen. Es bestehe keine akute Gefahr für die Gesundheit. Erstmals wurden coliforme Keime und auch das gesundheitsschädliche und Durchfall verursachende Bakterium Escherichia coli in einer Probe nachgewiesen, die am Montag an einer Kita genommen worden war. In der Kita „Zwergenland“ warnt nun ein großes rotes Kreuz über den Waschbecken die Kinder vor dem gewohnten Griff zum Wasserhahn.

Auch in anderen Landesteilen haben die Versorger mit verunreinigtem Trinkwasser zu kämpfen. In Eberswalde (Barnim) und umliegenden Gemeinden müssen 6000 Menschen bereits seit mehr als einer Woche das Leistungswasser abkochen. In Neuzelle (Oder-Spree) setzte der Wasserverband schließlich Chlor ein, um der bereits im Dezember 2010 gefundenen Keime Herr zu werden.

Alexander Fröhlich

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