Berlin : Schräges Bild

Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Vergangenheit hat mit der Zukunft eines gemeinsam – sie ist ungewiss. Über das, was wirklich war, vor 50 oder 500 Jahren, lässt sich bei jeder Gelegenheit wunderbar streiten. Je nach Blickwinkel erscheint ein anderes Bild. Deshalb können wir die PDS-Politikerin Nehring-Venus auch nicht daran hindern, dass sie Stalin zugesteht, dass er nach 1945 ein einheitliches Deutschland angestrebt habe, allerdings ein Deutschland nach seinem Bilde. Sie hat auch das Recht, die frühere KPD teilweise in Schutz zu nehmen. Das scheint nun mal ihr Blick auf die Historie zu sein.

Aber – diesen Blick wird sie politisch verantworten müssen. Immerhin soll die Pankower Stadträtin demnächst Staatssekretärin werden, beim Wirtschaftssenator Harald Wolf. Das ist nicht irgendein Job, Almuth Nehring-Venus repräsentiert an wichtiger Stelle den rot-roten Senat. Die Frau von der Linkspartei darf sich deshalb auch nicht beschweren, dass die Opposition von Geschichtsklitterung und der Koalitionspartner SPD von einem ernsten Vorgang spricht. Es sollte ernsthaft ausdiskutiert werden, ob das sehr spezielle Geschichtsbild der PDS-Spitzenfrau mit ihrer neuen politischen Rolle in Berlin wirklich kompatibel ist. (Seite 10)

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