Berlin : Schrebergärten: Laubenpieper sollen Idylle räumen

du-

Die Pächter der 47 Parzellen der Kolonie Gartenfreunde Tegeler Hafen bangen um die Zukunft ihrer Schrebergärten. Der Besitzer der Insel, auf der sich ihre Laubengrundstücke befinden, hat die Kündigung und damit das Ende des Idylls avisiert. Die Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB) verhandelt mit potenziellen Investoren über eine Wohnbebauung. Nach Ansicht von Baustadtrat Michael Wegner (CDU) bleibt den Schrebergärtnern aber noch eine Galgenfrist bis Ende 2002.

Das rund 11 000 Quadratmeter große Areal zwischen Hafen und Tegeler Fließ war ursprünglich eine Halbinsel und wurde einst für den Umschlag von Kohle zwischen Schiff und Bahn genutzt. Als diese Transporte eingestellt wurden, war das Gelände an die Kleingärtner verpachtet worden, die Verträge mit jährlicher Kündigungsmöglichkeit haben. Denn rechtlich handelt es sich um Bauland.

"Wir spielen mit offenen Karten", sagt Detlef Bröcker von der NEB. Deshalb habe man die Gartenfreunde frühzeitig auf die Kündigungsmöglichkeit hingewiesen. Denn bei der Insel handele es sich um einen "hochwertigen Wohnungsstandort", an dem man sich eine "aufgelockerte" Bebauung vorstellen könne. Entscheidend sei, ob sich das Projekt wirtschaftlich trage. Das Bezirksamt habe für diesen Fall bereits Hilfe bei der Beschaffung von Ersatzparzellen zugesichert.

Bisher gebe es nur Modellskizzen für eine Art Marina oder dem Wasser zugewandte Reihenhäuser, sagt Michael Wegner. Dies sei rechtlich zulässig. Der Bezirk habe allerdings deutlich gemacht, dass er eine Kompromisslösung mit den Kleingärtnern erwarte und alles andere die Genehmigungsverfahren eher verzögern würde. Es dürfe keine Räumung vor einem unmittelbar bevorstehenden Baubeginn geben. Damit verlängere sich die Galgenfrist der Gartenfreunde von September dieses Jahres nach Lage der Dinge mindestens bis Ende 2002.

Die NEB habe eine finanzielle Unterstützung der Umsiedlung der Laubenpieper in Aussicht gestellt, sagte Wegner. In Waidmannslust gebe es ein Ersatzgelände mit freien Parzellen. Allerdings hätten nur zwei bis vier Betroffene Interesse an einem Umzug. "Da will keiner hin", meint Kolonie-Vorstand Lothar Leopold und verweist auf die nicht mit der Hafenidylle vergleichbare Lage und den dort notwendigen Neubeginn. Da würden viele Naturfreunde lieber nach einer bereits vorhandenen Uferlaube im Umland suchen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben