Berlin : Schriftsteller fliegen lieber direkt

Weil Berlin keinen Großflughafen hat, glauben Autoren und Agenten nicht, dass die Frankfurter Buchmesse nach Berlin zieht

Matthias Oloew

So lebendig ist sie in anderen deutschen Städten nicht, die Literaturszene: volle Lesungen, junge Autoren, neue Ideen. Das gilt derzeit für Berlin. Doch reicht das als Humus aus, um einen alten Baum zu verpflanzen, der hier neue Triebe bekommen soll? Ist das als Lockmittel ausreichend, um, wie die Senatsverwaltung plant, die Frankfurter Buchmesse an die Spree zu holen? Die Meinungen in der Stadt gehen darüber auseinander. Nur in einem Punkt sind sich alle einig, das größte Manko Berlins ist die Flughafenfrage.

Katja Lange-Müller („Verfrühte Liebe“) ist als Berliner Autorin von der Idee begeistert: „Ich gönne der Stadt auch mal einen dicken Fisch.“ Sie ist schon lange genervt über den Messebetrieb in Frankfurt: „ziemlich ätzend“, sagt sie und klagt über „nervige Shuttles“ zum Messegelände, über „ungenießbare Tomatensuppen für 12 Mark 80“ und sie ist es leid, ins Hotel nach Bergen-Enkheim ausweichen zu müssen, weil man in der Stadt kein bezahlbares Bett bekomme. Ihr Fazit: „So kann man mit den Leuten einfach nicht umgehen.“ Ein Umzug der Buchmesse nach München wäre für sie nur ein Verschieben der Probleme: „München ist doch auch so eine Klotz- und Protzstadt.“ Für Berlin dagegen könnte die Buchmesse einen schönen Schub gegen die „Pauperisierung der Stadt“ bedeuten. Allein, realistisch ist der Plan wohl nicht, glaubt sie.

Knackpunkt ist der Flughafen. „Das ist schon nervig, wenn man aus dem Ausland kommt und umsteigen muss.“ Deutliche Worte findet der Berliner Literatur-Agent Matthias Landwehr („Eggers und Landwehr“): Mit einem „Dorfflughafen“ sei die Buchmesse nicht zu gewinnen, aber nicht nur deshalb sei die Diskussion um eine Verlegung des Messe für ihn „absurd“: „Nur in Frankfurt können wir die dringend erforderliche Internationalität der Messe erhalten“, erklärt er und verweist auf die Konkurrenz anderer Buchmessen, zum Beispiel in London. Eine Verlegung nach Berlin wäre der Anfang vom Niedergang der Buchmesse als internationale Veranstaltung.

Darüber hinaus, so Landwehr, sei die Institution Buchmesse nicht so einfach zu verlegen: „Da gibt es eingespielte Riten und Mechanismen, die durch die Innenstadtlage der Messe gegeben sind.“ Landwehr lobt die Kreativität der Berliner Literaturszene, aber die Buchmesse müsse in Frankfurt am Main bleiben. Das sieht auch der Autor Ingo Schulze („33 Augenblicke des Glücks“) so: „Die Messe sollte in Frankfurt bleiben, alleine schon wegen des Flughafens. Wenn man sich das in Berlin anguckt, ist das ziemlich lächerlich.“

Für Katja Lange-Müller hat die Diskussion deshalb schon jetzt etwas Gutes: „Vielleicht ist das für Berlin ein zusätzlicher Ansporn, in Sachen Flughafen endlich aus dem Knick zu kommen.“

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