Schüler bewerten Lehrer : Senat erhöht den Druck auf die Schulen

Die Bildungsverwaltung ist aufgewacht: Die schwache Nutzung des Selbstevaluationsportals durch die Lehrer alarmiert die Schulsenatorin. Jetzt bekamen die Schulen Post.

Susanne Vieth-Entus

Die Zwischenbilanz war miserabel: Nur jeder sechste Lehrer ist bislang seiner Pflicht nachgekommen, sich von seinen Schülern anonym bewerten zu lassen, wie der Tagesspiegel berichtete. Jetzt folgte die Reaktion der Bildungsverwaltung: Zu Wochenanfang erreichte die Schulleiter ein Schreiben des zuständigen Abteilungsleiters Tom Stryck, worin sie aufgefordert werden, die Lehrer an ihre Pflichten zu erinnern. Offenbar um den Druck zu erhöhen, kündigt er überdies an, im Laufe des Schuljahres nachzufragen, „wie viel Prozent Ihrer Lehrkräfte das Selbstevaluationsportal genutzt haben“.

Etliche Schulen reagierten auf den Brief verwundert bis aufgeschreckt. „Ich wusste gar nicht, dass die Lehrer dazu verpflichtet sind“, gab eine Grundschulleiterin am Dienstag zu. Die entsprechende Verordnung sei ihr wohl „durch die Lappen gegangen“. Eine Neuköllner Kollegin konnte sich ebenfalls nicht daran erinnern, dass es seit November 2011 die entsprechende Regelung gibt. Auch Strycks Brief war bei ihr noch nicht angekommen.

„Die Schulleiter haben kein Interesse daran, ihre Lehrer darauf hinzuweisen, weil sie die Ergebnisse nicht bekommen“, gab der Schulleiter des Zehlendorfer Schadow-Gymnasiums, Harald Mier, zu bedenken. Offenbar reiche die jetzige Verpflichtung nicht aus, um das Ziel zu erreichen. „Wenn ich an die Autofahrer appelliere, nur 50 km/h zu fahren, aber keine Geschwindigkeitskontrollen mache, hält sich auch keiner dran“, kommentiert Mier das jetzige Verfahren. Mier hielte es für besser, wenn die Ergebnisse in der Schule ausgewertet würden. Der Schulleiter könne dann eine Synopse machen und die anonymisierten Befunde präsentieren.

Die Bildungsverwaltung hat sich aber gegen diesen Weg entschieden. Sie will, dass alle Lehrer eine ihrer Klassen die anonymisierten Fragebögen des Instituts für Qualitätssicherung ausfüllen lassen, die ihnen ein Feedback für ihren Unterricht geben sollen. Ob sie mit diesen Ergebnissen etwas anfangen oder sie in die Schublade legen, bleibt ihnen überlassen.

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