Berlin : Schüler-Ferien: Der Ferienjob darf nicht in Stress ausarten

Annette Kögel

Erster Ferientag, das bedeutet nicht, dass sich Berlins Schüler auf die faule Haut legen. Viele Jugendliche räumen jetzt Regale im Supermarkt ein, gehen für die Nachbarn einkaufen oder fegen Büros aus. Zum Saisonbeginn haben wir uns in der Stadt nach Jobs, Verdienstmöglichkeiten - und gesetzlichen Bestimmungen umgehört.

"Wir haben bislang nur gute Erfahrungen mit Schülern gemacht", sagt Detlev Strakon, Restaurantmanager von "Burger King" am Kurfürstendamm / Ecke Knesebeckstraße. In der Filiale sind 30 feste Mitarbeiter beschäftigt - und vier Schüler. "Sie arbeiten meist 48 Stunden im Monat und verdienen 610 Mark", berichtet Strakon. Noch lieber als Mitarbeiter sind ihm indes volljährige Jugendliche - denn Schüler unter 18 Jahren fallen unter das Jugendarbeitsschutzgesetz.

Grundsätzlich dürfen Jugendliche demnach ab 15 Jahren jobben, wie Robert Rath, Pressesprecher des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi), auf Anfrage sagt. Sie dürfen maximal vier Wochen im Jahr Geld verdienen, das sind 20 Ferien-Job-Tage pro Kalenderjahr. Erlaubt sind acht Stunden täglich. Vor sechs Uhr und nach 20 Uhr ist für Schüler-Jobber Feierabend. "Um die Jugendlichen zu schützen, dürfen sie nicht mit gefährlichen Gütern, mit technischem Gerät wie Sägemaschinen und auch nicht im Akkord arbeiten", sagt Rath.

Seine Behörde ist auch zuständig für Kontrollen am Arbeitsplatz, wegen der Personallage werden jedoch zumeist nur noch die Lohnsteuerkarten überprüft, sagt Rath. Im Jahr 2000 fielen zwei Verstöße auf - sie betrafen "ungeeignete Tätigkeiten". Bei den Kindern der zumeist ausländischen Familien, die im Laden oder der Dönerbude der Eltern mithelfen, sieht das Lagetsi keine Probleme. Sie würden nicht ausgebeutet "und stehen, wenn sie mal ein Brot ausgeben oder ein Regal bestücken, nicht unter mehr Stress als die Tochter aus gutbürgerlichem Hause, die von Reitunterricht zur Musikstunde zum Training gefahren wird", sagt Rath.

Mit den Jugendschutz-Bestimmungen kennen sich die großen Warenhäuser und Supermärkte aus. Hertie setzt Schüler gern zu Weihnachten an den Einpack-Tischen ein. Bei Hertie Neukölln sind die Sommerferienjobs aber ebenso wie in den Filialen von Reichelt bereits vergeben. Auf junge Kräfte greift auch das Autohaus Ostkreuz gern zurück. "Die Jugendlichen sind engagiert und würden am liebsten gleich die Kfz-Mechaniker-Ausbildung machen", berichtet Mitarbeiterin Sybille Schädel. Noch müssen sie sich aber damit zufrieden geben, "Werkstatt oder Flur zu fegen".

Als Lohn gab es auch vergangenes Jahr 10 Mark pro Stunde - davon zahlte das Autohaus die Hälfte, das andere Fünf-Mark-Stück kam über ein Ferienjobprojekt, das der Verein "Micropolis" mit Zuschüssen der Europäischen Union förderte. Nach Auskunft des zuständigen "Micropolis"-Mitarbeiters gibt es 2001 keine Ferienjob-Vermittlung. Viele Arbeitgeber erteilen Jugendlichen ohnehin eine Absage. Sie geben an, manche Schüler seien unzuverlässig, stellen aber gern volljährige Kräfte an. Luca Schimmel vom Kreuzberger Schülerclub "Break" nimmt derzeit gern noch Ferienjobs an (Telefon: 694 83 91), die der Club vor allem an die Lina-Morgenstern-Gesamtschule mittelt. In Berlin gibt es keine zentrale Börse für Schüler-Ferienjobs, deswegen ist Eigeninitiative gefragt. Zwar unterhält jedes Arbeitsamt auch eine "Jugendlichenvermittlung". Doch am Besten ist es nach Expertenauskunft immer noch, sich ein Herz zu fassen und "persönlich bei der Firma vorzustellen".

Wie der junge Mann, der heute früh mit Herzklopfen aufwacht. Er hat die Zeugnisübergabe überstanden, aber noch nicht das Vorstellungsgespräch bei der Berliner Stahlbauten GmbH. Mitarbeiter Volkert Zegenhagen: "Wir gucken uns den Schüler heute an."

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