Berlin : Schüler proben den Aufstand

Gymnasiasten spielen „Les Misérables“ – und das so gut, dass Theaterprofis beeindruckt sind

Florian Urschel

„Denk dran: Du bist ein alter Knacker! Du kannst nicht so rumhüpfen.“ Der Rat gilt Bartek Wisniewski, der ist 17, Schüler und muss sich in die Rolle eines alten Mannes hineinfühlen. In der abgedunkelten Aula der Freiherr-vom-Stein-Oberschule in Spandau laufen die Proben zu „Les Misérables“. Und Bartek spielt in dem Musical Jean Valjean, den Haupthelden, der nach 19 Jahren aus dem Knast fliehen konnte. Auch Christopher Murray ist Jean Valjean – allerdings am Theater des Westens. Für einen Tag schlüpfte der 40-jährige Schauspieler in die Rolle des Trainers und zeigte Bartek und seinen Mitschülern, wie französische Revolution auf der Bühne aussieht.

Auch seine Bühnenpartnerin, die 25-jährige Valerie Link, kümmerte sich um die Huren und Polizisten, Revoluzzer und Kneipenwirte, die durch die Aula wuselten. Mit mehr als 100 Schülern haben die fünf Musiklehrer des Gymnasiums „Les Misérables“ inszeniert. Das Bühnenbild, eine riesige Holzbarrikade, bauten die Schüler selbst. Ende Juni liefen die ersten Aufführungen, kurz vor den Sommerferien. Bei einer schaute Thomas Lüdicke zu – er ist Geschäftsführer des Theaters des Westens. „Er fand die Schulaufführung so klasse, dass er gesagt hat: Ihr müsst da hin und mit den Schülern etwas machen“, erzählte Valerie Link. Sie spielt die Cosette.

Am Dienstagnachmittag war dann auch sie überrascht, wie talentiert die Schüler auftreten. „Die Jungs und Mädels sind echt spitze. Es ist schwer, denen noch etwas beizubringen.“ Allenfalls bei den Gesten machte sie Verbesserungsvorschläge. Ansonsten hörten die beiden Profis einfach nur gebannt zu – zusammen mit vielen Schülern und Lehrern, die nach Schulschluss extra zur Probe noch dageblieben waren.

Am Ende der Probe war Musiklehrer Eberhard Schallenberg erleichtert: „Ich war aufgeregt, weil die Profis da waren. Aber es hat alles super geklappt. Auf unsere Schüler kann man sich verlassen.“

Kein Wunder: Für viele der Schüler ist es nicht das erste Musical, bei dem sie mitmachen. An der Freiherr- vom-Stein-Oberschule werden alle zwei Jahre neue Stücke aufgeführt – zuletzt „Jekyll & Hyde“. Wie im jetzigen Stück gab es zwielichtige Gestalten: Prostituierte, pädophile Bischöfe und Drogenhändler. Gunnar Knebel, der damals einen Zuhälter mimte, steht jetzt als Polizist Javert auf der Bühne. „Die Musicals sind das Allerbeste hier an der Schule“, sagt er. Und sie gehen weiter: Am kommenden Wochenende gehen die Schüler und ihre Lehrer auf Tour – dann gibt es „Les Misérables“ aus Spandau in Wyk auf Föhr.

Die nächsten Aufführungen in der Freiherr-vom-Stein-Oberschule, Galenstr. 40-44, Spandau: 20.8., 18.30 Uhr, 21.8., 18.30 Uhr (ausverkauft), 22.8., 16 Uhr, 23.8. und 28.8., 18.30 Uhr. Karten 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Bestell. per Fax: 3330433. Internet: www.steingymnasium.de.

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