Berlin : Schüler sollen künftig ihre Lehrer bewerten

Experten empfehlen jährliche Leistungschecks für Pädagogen Bildungssenator will Problemschulen ermitteln und gezielt unterstützen

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Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will sich jetzt gezielt mit den Problemschulen der Stadt beschäftigen. Sie sollen im Leistungsvergleich ermittelt werden und dann zusätzliche Unterstützung bekommen. Dieses Vorhaben steht im Zentrum des Expertenberichts, den Zöllner unter dem Stichwort „Qualitätspaket“ in Auftrag gegeben hatte. Welche Vorschläge der Fachleute umgesetzt werden sollen, will der Senator in den nächsten zwei Wochen bekannt geben.

Die Expertenkommission unter Leitung von Zöllners Abteilungsleiter Tom Stryck hat das „leistungsschwächste Fünftel“ in den Fokus genommen. So steht es in dem Bericht, der dem Tagesspiegel vorliegt. Um diese Schulen zu identifizieren, sollen erstmals alle Informationen zusammengeführt werden, die etwas über den „Output“ einer Schule aussagen. Dazu zählen die Ergebnisse der Schulinspektionen, der Vergleichsarbeiten und der zentralen Prüfungen wie MSA und Abitur. Damit sie möglichst aussagekräftig sind, sollen die Ergebnisse mehrerer Jahre zusammengefasst werden.

Darüber hinaus soll diesen Schulen nach Meinung der Experten zwingend vorgeschrieben werden, dass jede Lehrkraft jährlich mit einer Klasse eine Selbstbewertung im Internetportal des Instituts für Schulqualität (ISQ) vornimmt. Das bedeutet, dass die Schüler bestimmte Fragen zur Qualität des Unterrichts beantworten und dem Lehrer somit ein Feedback geben. Das Ergebnis muss im Rahmen eines „Qualitätsentwicklungsgespräches“ mit der Schulleitung besprochen werden. Die Gesamtkonferenz aller Lehrer soll zudem die Ergebnisse der Schülerbewertungen in anonymer Form beraten.

Zöllners Expertenkommission begründet ihr Plädoyer für eine Veröffentlichungspflicht der Ergebnisse von Schulinspektionsberichten damit, dass die Schulen von sich aus nicht genügend Konsequenzen aus einem schlechten Abschneiden ziehen. Laut Bericht gibt es bisher „keine belastbaren Befunde“ dafür, dass Vergleichsarbeiten oder Schulinspektionen zu einer Verbesserung der Bildungsqualität führten. Stattdessen ging bisherigen Erhebungen zufolge nicht einmal die Hälfte der Schulleiter davon aus, dass die Schulinspektionen einen Einfluss auf den Unterricht haben. Ähnlich verhalte es sich mit den Vergleichstests. Aus einem schlechten Abschneiden folge kein verbesserter Unterricht. Stattdessen würden vor allem die Testformate gezielt geübt, um besser dazustehen, warnen die Experten mit Hinweis auf eine entsprechende Studie in NRW.

Mehrere Berliner Schulleiter sagten gestern auf Anfrage, dass eine Veröffentlichung der Ergebnisse von Vergleichsarbeiten fraglos zu „Schummeleien“ führen würde, weil Schulen nicht schlecht dastehen wollten. Dieser Sorge tragen die Experten insofern Rechnung, als sie für einen „fairen Vergleich“ votieren: Es sollen nur Schulen mit ähnlicher Schülerschaft gegenübergestellt werden. Eine Veröffentlichung dieser Daten sehen sie nicht als zwingend an, sehr wohl aber die der Schulinspektionsergebnisse, die bald für alle 850 Schulen vorliegen. Die Kommission hält es allerdings für „unerlässlich“, dass schwachen Schulen zur Unterstützung eine „hinreichende Anzahl“ von qualifizierten Personen zur Verfügung gestellt wird, um gezielt an der Verbesserung des Unterrichts mitzuwirken.

Da die Schulleiter eine „zentrale Rolle“ bei der Qualitätsentwicklung spielen, widmen die Experten auch ihnen ein Kapitel. Sie fordern darin, dass Bewerber für Leitungsposten an „vorbereitenden Qualifizierungsmaßnahmen“ teilnehmen müssen. Wie berichtet, wird darüber hinaus geprüft, wie man mit Schulleitern verfahren kann, die trotz Coaching und weiterer Hilfestellung nicht zurechtkommen.

Ebenfalls geprüft wird die Frage, welche „belastbaren Instrumente“ es gibt, um den Sprachstand von Dreijährigen zu testen. Dahinter steht die Überlegung, Kinder schon zwei Jahre vor Schulbeginn gegebenenfalls zu einem Kitabesuch mit Sprachtraining zu verpflichten (wir berichteten). Zudem will die Kommission mehr darüber erfahren, was die Kinder in der Kita lernen. Zu diesem Zweck sollen die Kinder mit vier Jahren und dann nochmal vor der Einschulung getestet werden. Hier fürchten manche Kitas schon unliebsame Kontrolle. Die Experten gehen sogar noch weiter. Sie plädieren für ein Forschungsverfahren zur Messung „der Effekte der Sprachförderung“. Hintergrund ist die Erfahrung, dass viele Kinder auch nach mehrjährigem Kita-Besuch noch so schlecht Deutsch sprechen, dass sie in der Schule nicht mitkommen.

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